Kehrtwende in den USA? Tesla, Bitcoin - die "Trump Trades" stürzen ab

Die Börse hatte für die Präsidentschaft von Donald Trump reichlich Vorschusslorbeeren verteilt: Mit den steigenden Umfragewerten für den Republikaner legten seit Oktober die Aktien von Tesla, Palantir, Öl- und Gasgesellschaften sowie kleine und mittelständische Unternehmen im Russell 2000-Index deutlich zu. Nicht zu vergessen die Kryptowährungen: Am Tag des Wahlsiegs von Donald Trump markierte der Bitcoin bei knapp 108.786 Dollar sein bisheriges Allzeithoch.

Die Börseneuphorie hielt noch Wochen danach an. Am 20. Januar 2025 wurde Trump dann als 47. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Seitdem wird er daran gemessen, was er wirklich umsetzt – und welche wirtschaftlichen Folgen seine Entscheidungen haben. Diese Bilanz fällt, gelinde gesagt, gemischt aus.

„Wirtschaftliches System einer Schocktherapie unterzogen“

„In den wenigen Wochen seiner Amtszeit hat Präsident Trump das politische und wirtschaftliche System der USA einer Schocktherapie unterzogen. Bis sich Erfolg oder Misserfolg dieses Politikansatzes in den realwirtschaftlichen Daten niederschlägt, wird es noch einige Zeit brauchen“, schreiben die Volkswirte der Commerzbank in ihrem „Economic Briefing“. „Anders sieht es mit den Stimmungsindikatoren aus. Hier zeigen sich teilweise heftige Bewegungen.“

Die Commerzbank-Auguren verweisen zum Beispiel auf den „Index der ökonomischen Unsicherheit“. Dieser misst, wie oft in US-Zeitungen Schlagworte in einer bestimmten Kombination vorkommen, zum Beispiel „Wirtschaft“ und „Unsicherheit“. In normalen Zeiten liegt der langfristige Durchschnitt bei 100. Seit der Wahl Donald Trumps am 5. November 2024 ist der Index in zwei Schüben auf knapp 330 gestiegen. 

Mehr aus dem Bereich Börse

In den USA flammt gerade ein gefährliches Alarmsignal für die Wirtschaft auf
Freitag, 28.02.2025 | 08:52
Vier ETFs, die Sie nachts besser schlafen lassen
Freitag, 28.02.2025 | 08:51
Fast sechs Milliarden Euro abgezogen! Anleger fliehen aus offenen Immobilienfonds
Freitag, 28.02.2025 | 07:12
Wann der Bitcoin wieder abheben könnte
Freitag, 28.02.2025 | 06:59
Fast sechs Milliarden Euro abgezogen! Anleger fliehen aus offenen Immobilienfonds
Donnerstag, 27.02.2025 | 11:24
Kursverluste auch im Dax nach Trumps Zoll-Hammer
Donnerstag, 27.02.2025 | 09:33
Nvidia trotzt Skepsis nach Deepseek-Schock und liefert Mega-Quartalszahlen
Donnerstag, 27.02.2025 | 07:27
Modelle zu alt? Teslas Börsenwert crasht um 88 Milliarden Dollar
Mittwoch, 26.02.2025 | 14:10
GM erhöht Dividende und startet Riesen-Aktien-Rückkaufprogramm
Mittwoch, 26.02.2025 | 13:23
Munich Re zahlt nach hohem Gewinn Rekord-Dividende
Mittwoch, 26.02.2025 | 12:53

Meistgelesene Artikel der Woche

Das Glitzerkind: Wenn ein Kind mit Begabung herausragt
Samstag, 22.02.2025 | 08:52
Lisa Müller bricht in neuer Thomas-Müller-Doku ihr Schweigen
Sonntag, 23.02.2025 | 17:29
Nach Merz-Post: Fans wollen Sophia Thomalla aus RTL-Show werfen
Mittwoch, 26.02.2025 | 17:34
Kommentar: Baerbocks gespenstischer Auftritt zeigt: Diese Grünen sind Geschichte
Montag, 24.02.2025 | 17:18
Bundestagswahl: Wie Lars Klingbeil sich nach dem SPD-Debakel an der Macht hält
Montag, 24.02.2025 | 21:50
Raab entschuldigt sich bei Nicht-Finalisten - ESC-Fans laufen Sturm
Sonntag, 23.02.2025 | 08:49
USA ökonomische Unsicherheit Commerzbank Research

Den Investoren an der Börse versetzte diese Woche das sinkende Verbrauchervertrauen einen Schreck. Der entsprechende Index des Conference Boards fiel im Februar unerwartet deutlich auf 98,3 Punkte und ist seit seinem letzten Hoch im November 2024 nun schon um 14,5 Punkte abgesackt. Die Verbraucherumfrage der Universität Michigan ergab sogar den niedrigsten Wert seit November 2023. Allerdings ziehen aktuell vor allem Wähler der Demokraten den Wert nach unten.

Inflationserwartungen steigen

Was die Märkte jedoch vor allem bewegt, ist die Tatsache, dass die Inflationserwartungen der Konsumenten steigen. Das könnte die Notenbank zwingen, die Zinsen früher als erwartet wieder anzuheben. Denn wenn die Verbraucher mit steigenden Preisen rechnen, fordern sie höhere Löhne und treiben so die Preisspirale erneut an. Höhere Zinsen wären schlecht für Börse.

Donald Trump war mit dem Versprechen angetreten, die Preise zu senken. Das hatte dazu geführt, dass laut Umfragen bei Wählern der Republikaner die Inflationserwartung zeitweise auf Null fiel. Nun, da sich die Warnungen der Ökonomen bewahrheiten, dass Trumps Politik der Strafzölle preistreibend für die amerikanischen Bürger wirkt, ändert sich das Bild. Dass auch noch Sondereffekte hinzukommen, etwa der Ausbruch der Vogelgrippe, der die Eierpreise in den USA stark in die Höhe getrieben hat, macht die Lage nicht besser.

USA Inflationserwwartungen Commerzbank Research

Das Ende der „Trump Trades“

Auch die Stimmung in der Wirtschaft trübt sich ein. An der Börse haben Investoren damit begonnen, die sogenannten „Trump Trades“ wieder rückabzuwickeln. Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass manche Versprechen länger dauern oder schwerer umzusetzen sein werden, als eingepreist. Aktienkurse von Wahl-Gewinnern wie Tesla, Palantir, Chevron und weitere Titel aus den Bereichen Industrie, Rohstoffe und Energie befinden sich im Sinkflug.

Der S&P 500-Index steht zwar aktuell noch 3,5 Prozent höhere als am Tag des Wahlsiegs im November, gemessen am Tag von Trumps Amtseinführung notiert der Leitindex im Minus. Der Russell 2000, der jenseits der Global Player vor allem einheimische Unternehmen abbildet, ist sogar gegenüber dem Wahltag im November ins Minus gerutscht. Einzig die Finanzbranche hält sich im Plus.

Jason Draho, Leiter der Vermögensallokation der Schweizer Großbank UBS für Nord- und Südamerika, berichtet, dass die Anleger anfangen, sich Sorgen über „politische Fehler“ der Trump-Regierung zu machen. „Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Anleger die Wahrscheinlichkeit eines ,Policy Put' (d.h. einer marktfördernden Politik) wesentlich höher eingeschätzt haben als die eines ,Policy Error' (einer marktschädigenden Politik). Doch die Wahrscheinlichkeit eines solches Errors nimmt aufgrund der bisherigen Maßnahmen und der jüngsten Daten schleichend zu“, warnte Draho.

Stimmung dreht sich gegen Elon Musk

Auch Trump-Buddy Elon Musk steht im Kreuzfeuer der Anleger. Tesla-Aktionäre sorgen sich darum, dass Musk zu viel Zeit auf seine neuen Aufgaben im „Department of Government Efficiency (DOGE)“ verwendet und sich zu wenig um den E-Auto-Pionier kümmert. Die Tesla-Aktie hat seit ihrem Allzeithoch am 17. Dezember 2024 sage und schreibe ein Drittel an Wert verloren, der Börsenwert des Unternehmens sackte am Dienstag erstmals wieder unter die Marke von einer Billion Dollar. 

Neben einigen operativen Problemen bei Tesla kommt hinzu, dass Trumps Zoll-Entscheidungen, beispielsweise in Bezug auf Importe aus China, auch Tesla schaden, das dort eine große Fabrik betreibt. Zudem treiben Musks zum Teil umstrittene Entscheidungen bei DOGE treue Tesla-Kunden auf die Barrikaden. Eine wachsende Zahl droht im Netz damit, der Marke den Rücken zu kehren.

Palantirs Höhenflug gestoppt

Auch die Aktie von Palantir gehörte zu den Trump-Gewinnern. Der Kurs des Data Intelligence-Spezialisten war seit Jahresanfang um 50 Prozent gestiegen, auch weil Palantir seinen Umsatz im Bereich der US-Regierungsbehörden innerhalb von zwei Quartalen um 40 Prozent steigern konnte.

Doch vergangene Woche stoppte eine Meldung der "Washington Post" den Höhenflug: Die Zeitung meldete, dass der neue Verteidigungsminister Pete Hegseth hochrangige Militärs in einem Memo angewiesen habe, Pläne zu entwickeln, wie das Verteidigungsbudget in den nächsten fünf Jahren um jeweils acht Prozent gekürzt werden könne. Binnen einer Woche stürzte der Palantir-Kurs um 30 Prozent ab.

Bitcoin-Träume platzen

Fast zeitgleich kam auch der Krypto-Markt unter die Räder. Noch im Herbst hatten Bitcoin-Enthusiasten den Kurs in Erwartung breiter Deregulierung und in Vorfreude auf eine neue Bitcoin-Reserve der USA, analog zum Gold, weit über die 100.000 Dollar-Marke getrieben. Nun fällt der Bitcoin im Zuge des allgemeinen „Risk-off“ und zieht fast alle anderen die Krypto-Währungen mit sich. Am Mittwoch war ein Bitcoin zeitweise nur noch rund 84.000 Dollar wert, der Wert der Kryptowährung Solana, auf deren Plattform Trump am Tag vor seinem Amtseid den „Trump-Coin“ eingeführt hatte, hat sich seit Mitte Januar 2025 auf 135 Dollar mehr als halbiert.

US-Wirtschaft noch stabil ...

Noch ist es nur ein Stimmungsumschwung. „Die wenigen harten Daten, die man für die Wirtschaftsentwicklung der Ära Trump hat, zeigen noch keinen Einbruch an“, beruhigt die Commerzbank. „Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die wöchentlich mit geringem Nachlauf veröffentlich werden, sind unverändert auf sehr niedrigem Niveau.“ Bisher sparten die Amerikaner auch weder beim Urlaub noch bei Dienstreisen, wie die Daten von den US-Flughäfen zeigten. Und auch die Börsen notieren trotz der Rückgänge bei den Trump-Favoriten noch gar nicht allzu weit von ihren kürzlich erreichten Allzeithochs entfernt.

... aber das Risiko steigt

Die Fed wird den Anstieg der Inflationserwartungen argwöhnisch beobachten. Sie hatte bereits weitere Zinssenkungen ausgesetzt. „Die Frage ist, wann die Maßnahmen der Regierung, etwa im Bereich der Deregulierung, positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben“, schreibt die Commerzbank. „Bisher verursachen sie vor allem Kosten.“ Die erheblich gestiegene Unsicherheit sei für langfristig angelegte Investitionsplanungen ein Problem. Auch bei den Konsumenten dürfte die Bereitschaft zu teuren Ausgaben in diesem Umfeld eher sinken. „Konsumenten, die in Diensten der Bundesregierung stehen, dürften angesichts der aktuellen Entlassungswelle ihre Brieftaschen ebenfalls geschlossen halten.“

Ob und wann Trump die versprochenen Steuersenkungen auf den Weg bringen werde, sei unklar. Denn anders als bei den Zöllen kann der Präsident die Steuern nicht per Dekret senken, Dazu braucht er die Zustimmung im Kongress. Dafür muss Trump womöglich etwas tun, was ihm sonst eher fern liegt: Zugeständnisse machen. 

Gut möglich, dass auf dem Weg zu einer Einigung noch weitere rosarote Seifenblasen an der Börse platzen.

Gratis-PDF zum Download: Vermögensaufbau mit ETFs

Wertverlust und niedrige Zinsen - bei diesen Aussichten ist es wichtig, sich um sein Geld zu kümmern. Mehr Informationen dazu, wie die Börse funktioniert und Sie mit wenig Geld starten können, erhalten Sie in meinem kostenlosen PDF mit wertvollem Börsenwissen. Sie erhalten es als Dankeschön, wenn Sie den wöchentlichen Gratis-Newsletter von „René will Rendite“abonnieren. Hier bestellen 

Der „René will Rendite“-Newsletter erscheint einmal wöchentlich und analysiert kurzweilig und verständlich die Lage an den Finanzmärkten. Namhafte Experten steuern immer wieder Gastbeiträge zu. Außerdem erhalten Sie wertvolle Tipps für Ihre Geldanlage sowie regelmäßig die attraktivsten Konto- und Depotangebote.

Das könnte Ihnen auch gefallen