Vier ETFs, die Sie nachts besser schlafen lassen
In der Theorie ist es simpel: Wer einen langfristigen Anlagehorizont hat und breit diversifiziert investiert ist, dem kann das Auf und Ab an der Börse egal sein. Rücksetzer sind vielmehr Chancen, günstig nachzukaufen. „Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und reich werden“, riet schon Börsen-Guru André Kostolany.
Aber seien wir ehrlich: Jeder ist anders. Manche Anleger können gut mit starken Schwankungen leben und schaffen es, sich von roten Zahlen im Depot nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Andere sind weniger entspannt. Man muss auch die Nerven haben, um einen Börsen-Crash durchzustehen und nicht in Panik zu verkaufen.
Zwar ist es gut für die Rendite, wenn die Aktienquote hoch ist. Aber die Aussichten helfen wenig, wenn man vor Angst um sein Geld nicht mehr schlafen kann. Deshalb kommen hier Vorschläge, wie Sie Ihr Depot ganz einfach mit bestimmten ETFs ergänzen können, um geringere Schwankungen zu haben. Wichtig, um es nochmal zu wiederholen: Wahrscheinlich werden Sie für mehr Ruhe auf etwas Rendite verzichten müssen.
Clemens Schömann-Finck ist Finanz-Experte und steht hinter dem Youtube-Kanal "René will Rendite". In seiner Kolumne bei FOCUS online beleuchtet er aktuelle Themen rund um Börse und Geldanlage. Abonnieren Sie hier seinen Newsletter für mehr Finanz-Infos.
Vorschlag 1: Gold-ETF
Gold ist in Krisenzeiten der „sichere Hafen“. Wenn Anleger ängstlich werden und die Börsen fallen, greifen sie gerne zu dem Edelmetall. Untersuchungen zeigen, dass Gold und Aktien nur eine geringe Korrelation aufweisen. Das heißt, fällt der Aktienmarkt, bewegt sich Gold nur wenig und kann sogar steigen. Ein gewisser Goldanteil kann deshalb ein Depot stabilisieren.
Über Gold-ETCs - sie heißen nicht ETF, weil sie nur aus einem Produkt bestehen - kann man diese Sicherheitskomponente günstig und einfach in sein Depot holen. Der große Nachteil gegenüber physischem Gold: Gold-ETCs sind Schuldverschreibungen. Das heißt, es besteht – anders als bei ETFs auf Aktien und Anleihen – ein Emittenten-Risiko. Im Falle einer Insolvenz des Emittenten gibt es kein Sondervermögen, das den Anlegern gehört. Stattdessen fällt der komplette Anlagebetrag in die Insolvenzmasse des Emittenten. Außerdem sind Spekulationsgewinne nach einem Jahr Haltedauer nicht steuerfrei. Eine Sonderrolle nehmen ETCs ein, die mit einem Lieferanspruch ausgestattet sind. Dazu gehören „Xetra-Gold“, hinter dem die Deutschen Börse steht, oder „Euwax Gold“ von der Stuttgarter Börse.
Passende Produkte:
- Euwax Gold II (DE000EWG2LD7)
- Xetra-Gold (DE000A0S9GB0)
- iShares Physical Gold ETC (IE00B4ND3602)
Vorschlag 2: Anleihen-ETF
Die Kurse von Anleihen schwanken in der Regel weniger stark als die von Aktien. Vor allem bei Staatsanleihen mit guter Bonität geht es deutlich ruhiger zu. In der Vergangenheit war es auch so, dass sich Anleihen und Aktien gegenläufig entwickelt haben: Stiegen Aktien, lief es bei Anleihen weniger gut und umgekehrt. Mit der Beimischung eines Anleihen-ETFs können Sie also Ihr Depot breiter und weniger schwankungsanfällig aufstellen. Außerdem profitieren Sie in aller Regel von höheren Zinsen als auf dem Tagesgeld-Konto.
Bei Anleihen-ETFs können Sie zwischen verschiedenen Laufzeiten wählen. Eine kürzere Laufzeit verringert noch einmal das Schwankungsrisiko. Je länger die Laufzeit, desto anfälliger ist der ETF für Zinsänderungen. Sinkende Zinsen führen zu steigenden Kursen, steigende Zinsen zu sinkenden, wie im Jahr 2022 deutlich zu sehen war, als die Notenbanken weltweit wegen der hohen Inflation ihre Geldpolitik strafften.
Passende Produkte:
- iShares € Ultrashort Bond (Laufzeit null bis ein Jahr) (IE00BCRY6557)
- iShares Euro Government Bond 1-3yr (IE00B14X4Q57)
- Fixed Income One (Euro-Staatsanleihen mit Laufzeit zwischen null und fünf Jahre): (AT0000A347S9)
Auf die Gewichtung achten
Sowohl bei Gold oder Anleihen als Beimischung sollten Sie überlegen, ob Sie ein regelmäßiges Rebalancing durchführen. Dabei stellen Sie die ursprüngliche Gewichtung in Ihrem Depot wieder her. Denn je nachdem, was besser gelaufen ist, hat sich das Verhältnis von Aktien zu Gold bzw. zu Anleihen nach oben oder unten verändert. Das Depot hat dann nicht mehr das ursprüngliche Risikoprofil. Durch entsprechende Verkäufe und Käufe können Sie es wieder herstellen.
Passende ETFs für Erst-Anleger
Die eben genannten ETFs können Sie gut mit Ihrem bestehen Portfolio kombinieren. Wenn Sie neu an der Börse starten, können Sie mit den zwei nächsten ETFs direkt ein Depot aufbauen, das weniger schwankungsanfällig ist.
Vorschlag 3: Minimum Volatility-ETF
Statt in den breiten Aktienmarkt zu investieren, können Anleger über spezielle ETFs auch nur Aktien mit einer vergleichsweisen geringen Volatilität auswählen. Ein Beispiel für so seinen Index, der über einen ETF abgebildet werden kann, ist der MSCI World Minimum Volatility. Statt rund 1400 Werten wie im MSCI World, befinden sich in diesem Index nur rund 270 Werte. Die Auswahl führt laut Daten des Vergleichsportals ExtraETF tatsächlich zu einer niedrigeren Volatilität. Sie lag in den vergangenen fünf Jahren bei 11,6 Prozent gegenüber 16 Prozent beim MSCI World. Auch der maximale Verlust war in diesem Zeitraum geringer (18 Prozent gegenüber 28,3 Prozent).
Die niedrigeren Schwankungen wurden aber teuer erkauft: Mit einer Rendite von durchschnittlich 5,7 Prozent pro Jahr blieb der Index deutlich hinterm MSCI World zurück, der eine fast doppelt so hohe Durchschnittsrendite von 11,1 Prozent erzielte.
Passende Produkte:
- iShares Edge MSCI World Minimum Volatility (IE00B8FHGS14)
- Xtrackers MSCI World Minimum Volatility (IE00BL25JN58)
Vorschlag 4: Multi-Asset-ETF
Misch-ETFs – auch Multi-Asset-ETFs – sind Sammlungen einzelner Indexfonds. Hier sind Aktien und Anleihen schon kombiniert, je nach Anbieter kommen auch noch Rohstoff-ETFs und Immobilien-Aktien als eigener Schwerpunkt innerhalb der Aktien mit dazu. Wer ruhig schlafen und sich um nichts kümmern möchte, findet in solchen Misch-ETFs eine gute Basisanlage. Das Geld wird breit über verschiedene Anlageklassen gestreut.
Misch-ETFs gibt es in verschiedenen Ausrichtungen: defensiv, ausgewogen oder offensiv. Je nach Charakteristik variiert zum Beispiel die Aktienquote. In der defensiven Ausrichtung liegt sie je nach Anbieter zwischen 20 und 30 Prozent, in der ausgewogenen bei etwa 40 bis 60 Prozent und in der offensiven bei 70 bis 80 Prozent. So kann der Anleger auswählen, welches Risiko zu ihm passt. Dabei gilt: In der offensiven Variante sind die Renditenchancen höher als in der defensiven, dafür aber auch die Kursschwankungen.
Je nach Ansatz ist die Aufteilung zwischen den unterschiedlichen Assetklassen mehr oder weniger starr. Regelmäßig wird die Ausgangsgewichtung wiederhergestellt (Rebalancing). Es gibt aber auch komplexere Ansätze, die weniger statisch sind. Bei ihnen können die Aktien- und Anleihequoten stärker schwanken als bei den einfachen Strategien, in der Hoffnung, so einen Mehrwert zu schaffen. Beim Xtrackers Portfolio ETF zum Beispiel kann der Aktienanteil zwischen 30 und 70 Prozent schwanken, beim Xtrackers Portfolio Income ETF zwischen 15 und 30 Prozent.
Ein grundsätzlicher Nachteil von Multi-Asset-ETFs ist allerdings, dass sie relativ teuer sind. Die Kostenquote der Misch-ETFs liegt nach Berechnung des Fondsanalysehauses Morningstar zwischen 0,25 und 0,7 Prozent jährlich und deutlich über der für einzelne ETFs.
Mögliche Produkte:
Defensiv
- VanEck Multi-Asset Conservative Allocation (NL0009272764)
- Vanguard LifeStrategy 20 % Equity (IE00BMVB5K07)
- Xtrackers Portfolio Income (IE00B3Y8D011)
Ausgewogen
- VanEck Multi-Asset Balanced Allocation (NL0009272772)
- Vanguard LifeStrategy 40 % Equity (IE00BMVB5M21)
- Xtracker Portfolio (LU0397221945)
Offensiv
- Amundi Multi-Asset Portfolio Offensiv (DE000ETF7037)
- VanEck Multi-Asset Growth Allocation (NL0009272780)
- Vanguard LifeStrategy 80 % Equity (IE00BMVB5R75)
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