Industrie mit KI: Acht von zehn Firmen glauben an Konkurrenzfähigkeit durch KI
Rund 80 Prozent der deutschen Industrieunternehmen sehen im Einsatz von künstlicher Intelligenz einen entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie. Das geht aus einer Befragung des Digitalverbandes Bitkom im Vorfeld der Hannover-Messe hervor. Derzeit kommt KI in bereits 42 Prozent solcher Betriebe zum Einsatz, etwa zur Überwachung von Maschinen oder bei der Steuerung von Robotern. Zusätzlich planen mehr als ein Drittel die Nutzung von KI. Etwa 46 Prozent der Befragten befürchten, dass die deutsche Industrie den KI-Wandel verschläft.
Industrieunternehmen fordern Vorreiterrolle bei KI
Die bisherigen Maßnahmen beim Einsatz von künstlicher Intelligenz reichen knapp 80 Prozent der deutschen Industrieunternehmen nicht aus. Sie fordern eine internationale Vorreiterrolle bei der Nutzung von KI. Allerdings sieht ein Fünftel der Betriebe in KI nur einen vorübergehenden Hype. Mit 32 Prozent nutzen die Firmen KI am häufigsten bei der Analytik, weitere 42 Prozent planen dies. In der Robotik setzen 19 Prozent der Unternehmen KI ein, 46 Prozent wollen es künftig tun. Beim Energiemanagement kommt KI erst in sieben Prozent der Betriebe zum Einsatz, jedoch ziehen fast zwei Drittel eine solche Nutzung in Betracht.
Etwa sieben von zehn der befragten Unternehmen nutzen Industrie-4.0-Anwendungen, also digitale Vernetzung in der Produktion. Rund 20 Prozent arbeiten an deren Einführung, fünf Prozent halten sich derzeit noch zurück und begründen dies mit fehlender Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Weiterhin erwarten knapp 70 Prozent der Firmen einen Schaden der deutschen Industrie durch die US-Präsidentschaft Trumps. 46 Prozent sehen ihre Existenz durch die aktuelle Wirtschaftslage bedroht, 33 Prozent erachten Industrie 4.0 in dieser Situation als Hilfe.
Digitale Marktplätze und IoT führen Industrie 4.0 an
Trotz der Wirtschaftslage planen 36 Prozent der deutschen Industrieunternehmen mit steigenden Investitionen in digitale Vernetzung. Rund 17 Prozent planen weniger, 44 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Ausgaben. Mit 53 Prozent kommen digitale Marktplätze am häufigsten zum Einsatz, 29 Prozent wollen dies künftig tun. Rund 48 Prozent verwenden digitale Zwillinge, ein weiteres Viertel bereitet einen Einsatz vor. IoT-Plattformen nutzen derzeit 46 Prozent der Betriebe, 43 Prozent planen damit.
Obwohl bislang nur fünf Prozent der Betriebe im produzierenden Gewerbe digitale Datenräume für den Informationsaustausch verwenden, sehen sie darin Vorteile für die Industrie. So erwartet mit 56 Prozent mehr als die Hälfte der befragten Firmen eine steigende Resilienz. Etwa 48 Prozent geben an, dass Datenräume die digitale Souveränität der Industrie erhöhen. Einem ebenso hohen Anteil zufolge sei der digitale Datenaustausch für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidend. Für vier von zehn Unternehmen ist die Technologie jedoch bislang zu kompliziert.
Deutsche Firmen: China bei Industrie 4.0 führend
Die Position Deutschlands beurteilen die Industrieunternehmen unterschiedlich. Knapp die Hälfte bewertet Deutschland als Nachzügler, etwa ein Viertel als Vorreiter. Im internationalen Vergleich sehen sie China überwiegend als führend an, vor den USA, Deutschland, Japan und Südkorea. Für bessere Bedingungen fordern 86 Prozent rechtliche Klarheit von der Politik, 88 Prozent warnen vor Überregulierung. Ebenfalls verlangen die Betriebe nach finanzieller Unterstützung. Etwa drei Viertel wünschen sich steuerliche Anreize, zwei Drittel erachten eine schnelle Bearbeitung von Förderanträgen als sinnvoll.
Für die Bitkom-Studie befragten die Autoren 552 deutsche Industrieunternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten. Zuletzt forderte der Branchenverband Bitkom die Investition von 100 Milliarden Euro in digitale Infrastruktur, zehn Prozent davon sollen in künstliche Intelligenz fließen. Ebenfalls jeweils zehn Milliarden Euro sollen Cloud-Infrastrukturen und die Halbleiterindustrie fördern. Das Geld dafür soll aus dem Sondervermögen Infrastruktur stammen.