Treffsicherster Fed-Indikator: In den USA flammt gerade ein gefährliches Alarmsignal für die Wirtschaft auf
Die Rede ist von der „inversen Zinsstrukturkurve“. Der Fall tritt ein, wenn die Zinsen für langfristige Anleihen niedriger sind als die für kurzfristige. So ein Szenario signalisiert, dass die Investoren langfristig mit fallenden Zinsen rechnen – weil die Notenbank damit eine schwächelnde Wirtschaft ankurbeln muss.
Zu erkennen ist das zum Beispiel am Abstand (Spread) zwischen den Zinsen auf zehnjährige US-Staatsanleihen minus den Zinsen für Dreimonats-Anleihen. Der Indikator zeigt seit Jahrzehnten eine hervorragende Vorhersagekraft für Abschwünge. In der Regel dreht die Zinskurve 12 bis 18 Monate vorher. Die New Yorker Fed hält ihn sogar für so zuverlässig, dass sie monatliche Aktualisierungen erstellt und prozentuale Wahrscheinlichkeiten für eine Rezession in den nächsten 12 Monaten anbietet. Beim letzten Mal, am 3. Februar 2025, stand die Wahrscheinlichkeit noch bei eher niedrigen 23,2 Prozent. Das nächste Update steht für die erste Märzwoche an.
Gleich mehrere Indikatoren deuten auf Wirtschaftsschwäche
Beim letzten Mal lag der Indikator allerdings falsch: Mehr als zwei Jahre lang notierten die langfristigen Zinsen unter den kurzfristigen – doch die erwartete Rezession ging an den USA vorüber, die Wirtschaft erwies sich als unerwartet robust. Erst im Dezember 2024 „normalisierte“ sich die Kurve wieder vollends.
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Am Mittwoch jedoch drehte die Kurve erneut.
Experten sind nicht nur deshalb besorgt, dass ein möglicher Konjunkturabschwung in den USA unmittelbar bevorsteht. Zahlreiche Wirtschaftsindikatoren deuten auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums hin, insbesondere der Arbeitsmarkt und der Immobiliensektor zeigen Schwächen.
Kurzfristige Zinsen könnten bald steigen
Doch die Zinsstrukturkurve dreht nicht allein deshalb, weil die langfristigen Zinserwartungen sinken. Gleichzeitig steigen die kurzfristigen Zinsen. Das liegt daran, dass die Inflationserwartungen zuletzt rasant zugenommen haben. Denn die Verbraucher realisieren langsam, dass die Strafzölle, die Donald Trump verhängt, am Ende von ihnen bezahlt werden müssen.
Wenn die Verbraucher mit steigenden Preisen rechnen, werden sie auch höhere Löhne fordern. Das wiederum treibt die Lohn-Preis-Spirale an. Um dies zu unterbinden , muss die Notenbank mit einer Anhebung der (kurzfristig wirksamen) Leitzinsen reagieren. Das hebt die Zinsen am kurzen Ende der Kurve an. Gleichzeitig könnte so eine Zinserhöhung, wenn sie auf eine fragile Wirtschaft trifft, erst recht eine Rezession auslösen. Damit bräche an den Kapitalmärkten der perfekte Sturm los.
Noch ist es nicht soweit, doch einflussreiche Notenbank-Direktoren warnen bereits davor. Jeff Schmid, Präsident der Federal Reserve Bank of Kansas City, mahnte jüngst zu erhöhter Wachsamkeit gegenüber Inflationsrisiken. Steigende Inflationserwartungen der Verbraucher könnten die Geldpolitik beeinflussen und erfordern sorgfältige Überlegungen seitens der Federal Reserve.
Streit um Schuldenbremse verschärft die Lage
Und selbst wenn die Notenbank nicht reagiert, könnten die kurzfristigen Zinsen demnächst steigen. Denn in den USA schwelt noch immer der Streit um eine Anhebung der Schuldenobergrenze, der im Dezember, kurz vor Weihnachten, nur vorübergehend entschärft wurde.
Wenn es Donald Trump auch bei diesem Thema wieder auf die Spitze treibt, dürfte sich der Staat vorübergehend nicht mehr verschulden und es droht womöglich der erste Zahlungsausfall einer amerikanischen Staatsanleihe in der Geschichte. Das würde die Kapitalmärkte vollends in Alarmstimmung versetzen.