Amazon-Desaster: Neues Logistikzentrum für 23 Millionen bleibt ungenutzt
Amazon gibt den geplanten Standort für ein Logistikzentrum im hessischen Echzell auf. Auf Anfrage des Hessischen Rundfunks, bestätigte der Onlineversandhändler, dass er sich aufgrund von Bauverzögerungen und fortbestehenden rechtlichen Unsicherheiten zurückzieht.
Millionen-Euro-Baustelle wird nach Bund-Klage gestoppt
Bereits seit 2021 ruhen die Bauarbeiten an der 14 Meter hohen und 8500 Quadratmeter großen Logistikhalle. Der Rückzug hängt auch mit einem Rechtsstreit mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) zusammen. Dieser hatte bereits 2021 gegen das Projekt geklagt, da die Baustelle unmittelbar an ein Vogelschutzgebiet grenzt, und so einen Baustopp bis Frühjahr 2024 erwirkt.
Nach Aufhebung des Baustopps allerdings nicht weitergebaut, der Bund reichte ein zweites Mal Klage gegen das Millionen-Projekt ein.
Amazon Anwalt: Bauprojekt „passt nicht mehr“
Amazon versucht laut Medienberichten bereits seit 2022 aus dem Mietvertrag des Baugeländes hinauszukommen, mittlerweile auch mit juristischen Mitteln. „Die Halle passt nicht mehr zu einem Verteilzentrum für Amazon“, sagte ein Anwalt einer Kanzlei, die den Versandriesen rechtlich vertritt, laut Berichten der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“ (HNA) bei einer entsprechenden Zivilverhandlung.
Der Bürgermeister zeigt sich der Entscheidung des Konzerns enttäuscht. Der Rückzug aus dem Bauprojekt bedeute nicht nur den Verlust von 130 bis 180 potenziellen Arbeitsplätzen, zudem bleibt die seit 25 leer stehende Gewerbefläche weiter ungenutzt.
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Bauherr fordert von Amazon 14-Millionen-Entschädigung
Der Bauherr, die Firma Sechsundneunzigster Logimac Logistik Grundbesitz GmbH, eine Tochterfirma des Immobilienunternehmens Garbe aus Hamburg, pocht auf den Mietvertrag mit Amazon und hat Klage eingereicht. Wie der „Hessische Rundfunk“ berichtet, geht es vor Gericht um die Rechtmäßigkeit der Mietvertragsbeendigung durch Amazon und die Frage, wer die bisherigen Baukosten in Höhe von rund 23 Millionen Euro trägt.
Der Bauherr forderte vom Online-Riesen eine Entschädigung von 14 Millionen Euro, Amazon zeigte sich laut Berichten der „HNA“ allerdings nicht bereits der Firma mehr als 7,8 Millionen Euro zu zahlen. Eine Entscheidung des Landgerichts Gießen wird im Mai erwartet.
Inbetriebnahme von Amazon-Verteilzentrum verzögert sich
Auch in Niedersachsen stoppt seit einigen Jahre ein geplantes Bauprojekt von Amazon Der Versanddienstleister hatte geplant, im Frühjahr 2022 ein Verteilzentrum in Watenstedt zu eröffnen. Das Gelände wirkt von außen bereits fertig, aber der Betrieb hat noch nicht begonnen. Laut einer Pressemitteilung von Amazon sollte das Zentrum die Kapazität und Flexibilität zur Erfüllung der Kundennachfrage erhöhen und etwa 130 Arbeitsplätze schaffen.
Der genaue Betriebsstart ist unklar. Amazon erklärte, dass der Start von vielen internen und externen Faktoren abhängt. "Ein konkretes Datum für den Betriebsstart steht derzeit noch nicht fest," so das Unternehmen.
Im osthessischen Bad Hersfeld investierte das US-amerikanische Unternehmen bereits einen dreistelligen Millionenbetrag in eines seiner Logistikzentren.