BMW "Neue Klasse": Schaltmatrix und Recycling | heise autos
>Noch in diesem Jahr soll der BMW iX3 als erstes Fahrzeug der Neuen Klasse im ungarischen Werk Debrecen in Serie gehen. Neu ist, dass BMW mit dem "Energy Master" eine intelligente Schaltzentrale entwickelt hat. Diese sitzt auf der Hochvoltbatterie, die im Werk Landshut produziert wird. Der Produktionsstart ist für August 2025 geplant. Die Hochvoltbatterie der 6. Generation der BMW eDrive Technologie (Gen6) verfügt laut BMW über die mit dem Bordnetz verbundene 800-Volt-Technologie und ist "grundlegend neu und kommt in allen Fahrzeugsegmenten zum Einsatz – bis hin zu den Hochleistungsmodellen der BMW M GmbH", sagte ein Sprecher heise online.
"Beim Bordnetz, inklusive seiner elektronischen Sicherungen, entfallen auf die BMW Group eine ganze Reihe neuer Patentanmeldungen", heißt es von der BMW Group. Ein Patent sei für "die 800V/400V-Schaltmatrix" des Energy Masters beantragt worden. Je nach Ladesäule wird dann auf die benötigte Spannung zurückgeschaltet. Das allein ist keine Erfindung von BMW, sondern wird von anderen Herstellern auch so gehandhabt. Der neue Energy Master dient unter anderem als Schnittstelle für die "Hoch- und Niedervolt-Stromversorgung sowie für die Daten aus der Hochvoltbatterie". Damit könne "die Verschaltung der Zellen je nach Bedarf verändert werden", so der Sprecher. Updates dafür sollen zudem remote möglich sein. Durch die Kombination zweier verschiedener Elektromotortypen (ASM und SSM) und der 800-Volt-Technologie will BMW seinen Kunden eine größere Flexibilität bei der Konfiguration seiner Elektrofahrzeuge ermöglichen – je nach Bedarf sind die Autos dann mit einem, zwei, drei oder vier Elektromotoren ausgestattet.
Die auf 800 Volt angehobene Spannungsebene ermöglicht bei gleicher Stromstärke mehr Leistung. Zugleich sinken die Ladeverluste. Die Neue Klasse wird die erste Plattform von BMW, die diese Vorteile nutzen kann. Bislang sind in allen Elektroautos von BMW 400 Volt üblich. In der Spitze waren damit bis zu 205 kW Ladeleistung möglich. Da ist die Konkurrenz zum Teil erheblich schneller. Smart verspricht im gerade vorgestellten E-SUV #5 bis zu 400 kW Ladeleistung. Mercedes bietet im neuen CLA bis zu 320 kW. Beide Hersteller setzen auf eine 800-Volt-Plattform.
30 Prozent mehr Ladeleistung
Die neue Hochvoltbatterie soll 30 Prozent schneller laden und 30 Prozent mehr Reichweite ermöglichen. Außerdem verspricht BMW mit den neuen Rundzellen eine 20 Prozent höhere Energiedichte als mit den prismatischen Zellen der fünften Generation. "Die Module, in denen die prismatischen Zellen der Gen5 gebündelt in den Speicher integriert sind, entfallen im neuen Konzept", sagt ein Sprecher. "Durch das neue, noch flachere Design kann die Hochvoltbatterie unabhängig von der Fahrzeughöhe in verschiedene Modelle integriert werden. Die Hochvoltbatterie ist dabei ein Strukturbauteil in der Karosserie der Neuen Klasse ('Pack-to-open-Body'). Die neuen Rundzellen werden direkt in die Hochvoltbatterie integriert ('Cell-to-Pack')", heißt es in der Pressemitteilung der BMW Group. Auch das bidirektionale Laden soll mit der neuen Batterie möglich sein.
Recycling
BMW ist verschiedene Partnerschaften für das Recycling von Hochvoltbatterien eingegangen, zum Beispiel mit der Firma SK tes aus Singapur. Das Unternehmen will Kobalt, Nickel und Lithium aus den Altbatterien zurückgewinnen. Die gewonnenen Rohstoffe sollen dann für die Herstellung neuer Batterien verwendet werden. Bis 2026 soll die Partnerschaft auch auf Regionen in den USA, Mexiko und Kanada ausgeweitet werden.
In Niederbayern baut BMW mit seinem Joint Venture "Encory" ein Kompetenzzentrum für Batteriezellen-Recycling auf, will weitere Recyclingverfahren erforschen und das Direktrecycling in die Praxis umsetzen. Bei diesem Verfahren werden Reststoffe aus der Batteriezellfertigung sowie ganze Batteriezellen mechanisch in ihre wertvollen Bestandteile zerlegt. Die so gewonnenen Rohstoffe werden direkt wieder in der Pilotfertigung von Batteriezellen in den hauseigenen Kompetenzzentren eingesetzt, heißt es bei BMW.