Touren-Motorrad Harley-Davidson Street Glide Ultra: Betreutes Gleiten | heise autos
Für viele amerikanische Motorradfahrer ist es das höchste der Gefühle, mit einem riesigen V2 über den endlosen Highway zu cruisen. Genau dafür wurde die neue Harley-Davidson Street Glide Ultra gebaut. Ein riesiger Tourer, der ein rollendes Sofa mit allem Komfort darstellt. Er ist groß, schwer, besteht aus viel Eisen und hat mächtig Hubraum – ein Konzept, das in den USA bei den Liebhabern dieses Lifestyles immer noch gut ankommt, trotz des extremen Gewichts, mangelnder Handlichkeit und des hohen Preises. Der Kundenkreis für solche Bikes schrumpft seit Jahren, auch wegen des demografischen Wandels, und Harley sucht hektisch nach neuen Konzepten. Dennoch gibt es natürlich weiterhin Liebhaber der amerikanischen XXL-Tourenmotorräder, auch in Europa.
Bigger is better
Getreu dem Motto "Bigger is better" hat Harley-Davidson für das Modelljahr 2025 noch einen draufgesetzt und die Street Glide Ultra präsentiert. Eigentlich ist es eine Street Glide mit besserer Ausstattung, aber getreu der Firmenphilosophie handelt es sich dabei um ein neues Modell. Bislang diente bei der Street Glide der Milwaukee-Eight 114 als Antrieb, die Entwickler spendieren ihr nun den Milwaukee-Eight 117-Motor mit 1923 cm3 Hubraum, 109 PS bei 5000/min und 175 Nm Drehmoment bei 3500 Touren. Das Plus von 55 cm3 Hubraum, 15 PS und 17 Nm dürfte die Fahrleistungen marginal verbessern, die geballte Power mit dem stattlichen Leergewicht von 393 kg wenig Mühe haben.
Neue Verkleidung
Auffallend ist die neu gestaltete Batwing-Verkleidung mit "Signature"-LED-Lichtquellen. Sie wirkt moderner als die altbackene Form der Vorgängerin und bietet eine weiter optimierte Aerodynamik. An der Street Glide Ultra wird sie von einem um 101 mm höheren und elektrisch verstellbaren Windschild gekrönt, der laut Hersteller die Turbulenzen am Helm des Fahrers um bis zu 60 Prozent reduzieren soll. An der Telegabel befinden sich einstellbare Windabweiser, die größer sind als an den anderen Street Glide-Modellen. Dazu bekommt die Ultra Verkleidungsunterteile, die den Fahrer noch besser vor dem Wetter schützen. Das tun sie offenbar so gut, dass Harley verschließbare Belüftungsöffnungen einbaut.
Bild 1 von 8Harley-Davidson Street Glide Ultra I (8 Bilder)

Harley-Davidson
)137 Liter Gepäckvolumen
Auffallend ist natürlich das riesige, 60 Liter fassende Top-Case, von Harley mit dem ebenso hochtrabenden Namen "King Tour Pak-Top Case" bezeichnet. Für Sperrgut ist oben auf das Top-Case noch ein Gepäckträger geschraubt. Davor befindet sich ein sehr bequemes Rückenteil samt Armlehnen für die Sozia. Zusammen mit den beiden ausladenden und in Fahrzeugfarbe lackierten Koffern und den zwei jeweils vier Liter fassenden Fächern in den Beinschilden kann die Street Glide Ultra bemerkenswerte 137 Liter Gepäck aufnehmen. Serienmäßig sind Schutzbügel an den Koffern, die bei einem Umfaller die Behälter vor dem Zerbrechen retten sollen.
Kurze Federwege
Harley-Davidson hat das Fahrwerk für 2025 im Vergleich zur Basis-Street-Glide überarbeitet. An der 49 mm dicken und nicht einstellbaren Telegabel mit 117 mm Federweg bleibt alles unangetastet. Hinten verbauen die Entwickler zwei Emulsions-Stoßdämpfer mit separaten Ausgleichsbehältern, die sich in der Vorspannung hydraulisch verstellen lassen, ohne dass die Koffer dafür abgebaut werden müssen. Es bleibt aber bei dürftigen 76 mm Federweg im Heck. Wie viel Komfort das bietet, wird ein Test klären.
Bild 1 von 7Harley-Davidson Street Glide Ultra II (7 Bilder)

Harley-Davidson
)Ungewöhnliche Reifendimensionen
Harley-Davidson bleibt seinem Ruf als Marke mit unkonventionellen Rad-Reifen-Dimensionen treu. Die neue Street Glide Ultra rollt vorn auf einem 19-Zoll-Leichtmetallrad mit einem Pneu der Dimension 130/60B19, während es an der Street Glide ein 18-Zöller war. Hinten blieb es bei 180/55B18. Ein Ausbund an Handlichkeit war der riesige Tourer mit einem Radstand von 1625 mm und einem Nachlauf von 170 mm schon vorher nicht, warum die Ingenieure dem Fahrer das Leben mit solchen Reifendimensionen zusätzlich erschweren, bleibt deren Geheimnis.
Riesiges TFT-Display
Hochmodern präsentiert sich das Cockpit der Street Glide Ultra mit einem riesigen TFT-Touchscreen von 312 mm diagonalem Durchmesser. Das hat schon was von einem Fernseher, rechts und links flankiert von je einem 5,25-Zoll großen Lautsprecher. Das Ganze läuft auf Skyline-OS-Betriebssystem mit Bluetooth-Verbindung zum Smartphone und kann Apple CarPlay darstellen.
Auf Wunsch lässt sich ein Navi mit Karte einblenden und per integrierter Freisprecheinrichtung bedienen. Die Street Glide Ultra bietet vier Fahrmodi und diverse elektronische Assistenzsysteme, unter anderem Kurven-ABS, elektronische Bremskraftverteilung, Kurven berücksichtigende Schlupfregelung und Schleppmomentregelung. Viele Fahrer werden vermutlich dankbar für die Berganfahrhilfe sein, um mit dem fast acht Zentner schweren Motorrad sicher zu starten.
Hoher Preis
Harley-Davidson war noch nie für Sonderangebote bekannt, so verwundert der Preis von 33.920 Euro plus 560 Euro Nebenkosten für die Street Glide Ultra kaum. Der bezieht sich aber nur auf die Standard-Ausführung in "Billiard Gray" (kein Schreibfehler), wer sie in "Vivid Black" oder "Blue Burst" haben möchte, legt nochmals 700 Euro drauf. Die Zweifarben-Lackierung "Whiskey Fire/Vivid Black" lässt sich der Hersteller fürstlich mit 1350 Euro extra entlohnen. Wenn der Käufer die Metallteile nicht verchromt, sondern in Schwarz haben möchte, muss er zusätzlich 1750 Euro berappen.