Trump zieht Börsen runter: Was JP-Morgan-Top-Experte Galler Anlegern jetzt rät
Herr Galler, Donald Trump will am Mittwoch seine Zollpläne veröffentlichen. Investoren sind beunruhigt. Wie ernst ist die Lage?
Das Ausmaß der Strafzölle ist größer und geht stärker in die Breite, als das von den Märkten erwartet wurde. Es besteht das Risiko, dass die Politik die Sorgen der Wirtschaft überhört und die US-Handelspolitik somit für längere Zeit von hohen Zöllen geprägt bleibt. In der Wirtschaft herrscht Konsens darüber, dass Zölle letztendlich zu Verlusten führen. Präsident Donald Trump und sein Team sehen Zölle jedoch als Lösung für drei zentrale Probleme. In ihren Augen sind sie erstens eine Lösung für die aus ihrer Sicht unfairen Ungleichgewichte im Welthandel. So wiesen die USA 2023 ein Leistungsbilanzdefizit von 818 Milliarden USD auf und in den letzten 20 Jahren gingen zahlreiche Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie der USA verloren. Zweitens sind Zölle für Trump ein Mittel, um die Einnahmen zu erhöhen und Steuersenkungen im Inland zu finanzieren. Und drittens sehen Trump und sein Team Zölle auch als Druckmittel in Verhandlungen, um die politischen Ziele der Regierung durchzusetzen.
Was heißt das für die Börsen?
Die Zollpolitik hat zwei für die Börsen besonders relevante Auswirkungen. Erstens verteuern Strafzölle Handelswaren und tragen zu einer wachsenden Inflationsgefahr bei. Zentralbanken, allen voran der US-Fed, sollte es deshalb schwerer fallen, die Zinsen zu senken. Zweitens haben Zölle einen negativen Wachstumseffekt zur Folge. Die Unklarheit über den weiteren Weg der US-Handelspolitik induziert auch eine nicht zu vernachlässigende Unsicherheit in die Wirtschaft. Schon jetzt verzeichnen das Konsumentenvertrauen sowie das Sentiment bei kleineren US-Unternehmen einen empfindlichen Dämpfer. Die stagflationären Konsequenzen der Zollpläne hat inzwischen zu einem starken Anstieg der Volatilität geführt.
Die Kurse sind im Vorfeld der Ankündigung des US-Präsidenten am Mittwoch bereits ins Rutschen gekommen. Rechnen Sie mit weiteren Kursrückgängen an den Finanzmärkten?
Die zukünftige Richtung der Aktienmärkte hängt von der Größenordnung der Zölle und der Dauer ihrer Implementierung ab. Je höher der Zollsatz und je länger dieser in Kraft bleibt, desto negativer die Marktreaktion. Es ist jedoch auch zu möglich, dass weitere Kursrückgänge an den Märkten aufgrund des negativen Vermögenseffekts auf die amerikanischen Haushalte auch zu einer Kehrtwende in der Zollpolitik führen können, was in der Folge wiederum positiv für die Märkte wäre.
Wie können Privat-Anleger reagieren?
Solange eine US-Rezession keine ausgemachte Sache ist, lohnt es sich, weiterhin in den Aktienmärkten investiert zu sein. Doch Privatanleger sollten sich verstärkt den Inflations- und Wachstumsrisiken widmen. Sachwerte wie Immobilien und Gold können die Inflationsgefahren für das Anlageportfolio reduzieren. Doch auch eine stärkere Akzentuierung von Dividenden- und Substanzwerten bei der Aktienallokation kann das Portfolio widerstandsfähiger gegen einen Inflationsschock machen, wie wir ihn etwa 2022 gesehen haben. Die Wachstumsrisiken können auch mit qualitativ hochwertigen Anleihen mit einer längeren Laufzeit adressiert werden, die aufgrund der gestiegenen Rendite im Rezessionsfall zweistellige Erträge abwerfen können.