Herr Trump, Herr Selenskyj: Hier sind 5 Gründe, den Krieg zu beenden
Drei Jahre nach Kriegsbeginn landet Wolodymyr Selenskyj heute beim „Peacemaker and Unifier“ Donald Trump in Washington.
Während daheim der Krieg tobt, wird knapp 8000 Kilometer Luftlinie entfernt über die Zeit danach verhandelt – mit sehr unterschiedlichen Zielen.
Selenskyjs Plan: Er möchte bei Trump „Friedens- und Sicherheitsgarantien“ durchsetzen – ansonsten wird er einem Frieden nicht zustimmen. Mit diesem de facto Ultimatum wird er Teil der Friedensgespräche. Die Europäer weiß er hinter sich.
Trumps Plan: Der US-Präsident möchte einen Rohstoff-Deal, um so die Unterstützungszahlungen der USA an die Ukraine finanzieren zu können. Sein Motto: Leistung erzwingt Gegenleistung.
Kein Gespräch ohne Fakten: 1100 Tage nach Kriegsbeginn gibt es natürlich sehr gute Gründe, das Sterben, Zerstören und Flüchten zu beenden. Hier die Schadensbilanz des europäischen Kriegs.
#1 Die Gebietsverschiebungen
Es gibt seit Monaten keine substanzielle Bewegung mehr. Der Angriffskrieg hat sich zu einem Stellungskrieg entwickelt.
Was bleibt der Ukraine? Seit Februar 2022 hat Russland elf Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Zählt man die 2014 annektierte Halbinsel Krim dazu, sind knapp 18 Prozent des ukrainischen Territoriums inzwischen von Russen besetzt.
Gegenoffensive: Im August vergangenen Jahres konnte die Ukraine bei einem Vorstoß in der russischen Region Kursk eine Fläche von 1400 Quadratkilometern erobern. Das sind rund 0,008 Prozent des russischen Gebiets. Einst als Verhandlungsmasse gedacht, kontrolliert das ukrainische Militär mittlerweile nur noch knapp 500 Quadratkilometer der Region. Tendenz sinkend. Das ist ungefähr so groß wie die Fläche des Bodensees.
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#2 Die Opferzahlen
Ukraine: Anfang Februar sprach Selenskyj in einem Interview mit dem britischen Journalisten Piers Morgan von mehr als 45.000 getöteten und 390.000 verletzten Soldaten auf ukrainischer Seite. Dazu kommen laut Zählungen der UN mindestens 12.600 Todesopfer in der Zivilbevölkerung.
Russland: Auf russischer Seite sind die Zahlen – begründet in der Kriegsführung – wesentlich höher. Während der Kreml keine offiziellen Opferzahlen bekannt gibt, berichtet das russische Oppositionsmedium Mediazona in Zusammenarbeit mit dem russischen Dienst der BBC von mehr als 95.000 verifizierten toten Soldaten. In einer Liste des Mediums sind alle mit Namen, Alter und Einsatzort einsehbar.
Hohe Dunkelziffer: Insgesamt, schätzt Mediazona, seien rund 165.000 russische Soldaten seit Kriegsbeginn gestorben. Damit entspricht die gesamte Todeszahl beider Länder der Wohnbevölkerung von Erfurt.
#3 Wer zahlt was?
Wie Zahlen des Ukraine Support Trackers vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) zeigen, belaufen sich die Zahlungen der Geberländer seit Kriegsbeginn auf knapp 270 Milliarden Euro.
USA vorn: Mit rund 114 Milliarden Euro – das sind rund 42 Prozent des Gesamtbetrags – sind die USA der größte Unterstützer. Auf Platz zwei befindet sich die Bundesrepublik mit rund 17 Milliarden Euro. Das bedeutet: Amerika hat siebenmal mehr gezahlt.
#4 Die Fluchtbewegung
Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR wurden bislang mehr als zehn Millionen Ukrainer vertrieben. Das entspricht fast einem Viertel der Bevölkerung vor Kriegsausbruch.
Binnenvertreibung: Demnach sind aktuell rund 3,7 Millionen Menschen innerhalb der Ukraine umgezogen. Im Ausland finden etwa sieben Millionen Ukrainer Schutz, davon rund 1,3 Millionen in Deutschland.
#5 Die Kriegsschäden
Die Bilanz: Laut einer Studie der Weltbank belaufen sich die Schäden seit Kriegsbeginn auf 524 Milliarden Dollar. Dabei ist der Wiederaufbau- und Sanierungsbedarf im Wohnungsbau (rund 84 Milliarden US-Dollar) der größte Posten.
Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine lag 2024 bei rund 184 Milliarden Dollar. Das entspricht knapp einem Drittel der Schadenssumme.
Fazit: Der Krieg kann militärisch weder gewonnen noch verloren werden, weshalb Kriegsherr Putin und Kriegsfinancier Trump jetzt zum Erfolg verdammt sind. Oder um es mit dem irischen Literaturnobelpreisträger George Bernard Shaw zu sagen:
„Krieg ist ein Zustand, bei dem Menschen aufeinander schießen, die sich nicht kennen, auf Befehl von Menschen, die sich wohl kennen, aber nicht aufeinander schießen.“