Bundesbank warnt: Zugang zu Bargeld wird für Bürger schwieriger
- Im Video: Generation Z: Darum verzichten junge Menschen auf Bargeld
Der entscheidende Satz ist der allerletzte im Monatsbericht der Bundesbank. Es geht ums Bargeld und die Aussage ist eindeutig: „Die sinkende Anzahl der Bankfilialen und Geldautomaten sowie der steigende Anteil von Bürgerinnen und Bürgern, die von einem erhöhten Aufwand für die Bargeldversorgung berichten, unterstreichen die Perspektive, dass eine auch zukünftig gute Bargeldverfügbarkeit in Deutschland nicht weiter selbstverständlich ist.“
Wer berücksichtigt, dass die Bundesbank keine NGO ist, die schon bei ganz fernem Unheil schrillen Alarm schlägt, kann diesen Satz gar nicht hoch genug einschätzen: Es steht nicht sonderlich gut um die Zukunft des Bargelds in Deutschland.
Scheine und Münzen noch das meistgenutzte Zahlungsmittel
Die jüngste Studie der Zentralbank nimmt das Thema akribisch unter die Lupe: Auch wenn die Deutschen immer häufiger bargeldlos bezahlen, sind Scheine und Münzen nach wie vor hierzulande noch das meistgenutzte Zahlungsmittel. Rund 51 Prozent von allem, was im Alltag gekauft wird, begleichen Menschen in Deutschland mit Bargeld.
Und das hat ja auch gute Gründe, räumt die Bundesbank ein: Als Wertaufbewahrungsmittel wird Bargeld unter anderem in Krisenzeiten nachgefragt, wie es beispielsweise der deutliche Anstieg des Euro-Banknotenumlaufs in der Coronavirus-Pandemie nahelegt. Und: Mit einer Bargeldreserve können Bürger auch für Ausfälle des bargeldlosen Zahlungsverkehrs bei technischen Störungen vorsorgen. Deswegen setze sich die Bundesbank dafür ein, die Wahlfreiheit zwischen Bargeld und digitalen Bezahlverfahren zu erhalten.
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90 Prozent der Deutschen heben bei der Bank Bargeld ab
Um an ihr Bargeld zu kommen, wählen 90 Prozent die Deutschen ebenfalls die herkömmliche Variante: die Bank. Etwa 3,6 Millionen Menschen in Deutschland müssen aber die eigenen Gemeindegrenzen verlassen, um sich bei einem Kreditinstitut mit Bargeld zu versorgen. Im Schnitt wohnen Bürgerinnen und Bürger 1,4 Kilometer vom nächstgelegenen Bankschalter oder Geldautomaten entfernt. Was die Studie dabei nicht berücksichtigt: Selbst wenn ein Geldautomat gar nicht weit weg ist, kann er sich als teuer erweisen, wenn die dahinterstehende Bank bis zu 6 Euro aufschlägt, damit ihr Geldautomat überhaupt in Aktion tritt. Ein wichtiger Tipp für Geldautomaten: Warum Sie immer eine PIN auf Ihre Bankkarte schreiben sollten.
Inzwischen ist die Möglichkeit, Bargeld an der Ladenkasse zu beziehen, in Deutschland ebenfalls weit verbreitet. Bundesweit sei die nächste Ladenkasse mit Bargeldbezugsmöglichkeit durchschnittlich 1,7 Kilometer weit weg, hat die Bundesbank ausgerechnet, was aber auch bedeutet, dass sie im Einzelfall mal fünf Kilometer und mehr entfernt ist. Und: Zahlreiche Supermarktketten verlangen eine Mindesteinkaufssumme, wenn sie Geld an der Kasse auszahlen sollen. Die Verlegenheitskäufe, die nur zum Geld abheben da sind, nehmen also zu.
Bankfilialen mehr als halbiert
Aus Sicht der Bundesbank kann das Angebot des Einzelhandels zur Bargeldversorgung das Angebot der Banken „nur ergänzen, aber nicht ersetzen“. Denn die Bundesbank zahlt Banknoten und Münzen an Kreditinstitute aus, so dass nur darüber neue Banknoten und Münzen in den Umlauf gelangen können. Darüber hinaus ist das Angebot der Supermärkte an Öffnungszeiten geknüpft, Geldautomaten sollten dagegen rund um die Uhr zur Verfügung stehen.
Hintergrund für die schlechter werdende Bargeldversorgung sind die Sparanstrengungen der Banken. Die Anzahl der Bankfilialen habe sich von rund 53.000 im Jahr 2002 auf rund 21.000 im Jahr 2023 mehr als halbiert, zählt die Bundesbank auf. Die Anzahl der Geldautomaten ist ebenfalls inzwischen deutlich rückläufig, was mit dem gestiegenen Risiko der Geldautomatensprengungen zu tun hat. Stehen wir daher bald vor leeren Bankautomaten?
Zugang zu Bargeld wird immer schwieriger
Noch kann sich die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger der Bundesbank-Analyse zufolge innerhalb der eigenen Gemeindegrenze mit Bargeld versorgen. Etwa 80,7 Millionen Menschen oder 95,7 Prozent der Gesamtbevölkerung leben demnach in Gemeinden mit mindestens einem Geldautomaten oder Bankschalter. 3,6 Millionen Menschen müssen die eigene Gemeinde verlassen, um sich bei einem Kreditinstitut mit Bargeld zu versorgen.
Trotz der meistens überschaubaren Entfernungen empfinden viele den Zugang zu Bargeld als zunehmend schwierig: In Befragungen der Bundesbank hat sich der Anteil derjenigen, die es als ziemlich schwierig oder sehr schwierig empfinden, zu einem Geldautomaten oder Bankschalter zu gelangen, von sechs Prozent im Jahr 2021 auf 15 Prozent im Jahr 2023 mehr als verdoppelt.
Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk.