EU und Indien wollen 6G und vertrauenswürdige KI gemeinsam vorantreiben
Die EU blickt angesichts transatlantischer Spannungen nach der Regierungsübernahme von Donald Trump in Washington stärker nach Indien als in die USA. So haben beide Seiten bei einem Ministertreffen des EU-Indien-Handels- und Technologierates am Freitag gemeinsame Leitplanken abgesteckt. Laut dem Abschlusskommuniqué wollen die EU und Indien zusammen die Entwicklung "fortschrittlicher und vertrauenswürdiger digitaler Technologien" wie 6G, Künstliche Intelligenz (KI), Halbleiter und Hochleistungsrechnen zu beschleunigen.
Beide Seiten begrüßen die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen der Bharat 6G Alliance und der EU 6G Smart Networks and Services Industry Association. Damit wollen beide Zusammenschlüsse Forschungs- und Entwicklungsprioritäten für die nächste Mobilfunkgeneration aufeinander abstimmen und sichere sowie widerstandsfähigere Telekommunikations- und Lieferketten schaffen.
Mit der Übereinkunft wollen die EU und Indien nicht nur Abhängigkeiten im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien von den USA, sondern auch von China abbauen. Das soll das nachträgliche Verabschieden von "Huawei-Klauseln" für den Ausschluss einzelner Ausrüster vom Netzausbau im Bereich kritischer Komponenten wie bei 5G beim Nachfolgestandard unnötig machen.
Konkret vereinbarten die zwei Partner auch, im Interesse der Souveränität auf die Interoperabilität digitaler öffentlicher Infrastrukturen hinzuarbeiten. Im Bereich KI wollen das für die Durchsetzung des AI Acts zuständige EU-Amt und die indische KI-Mission ihre Zusammenarbeit etwa bei großen Sprachmodellen und "KI für die menschliche Entwicklung und das Gemeinwohl" vertiefen.
Freihandelsabkommen könnte Ende 2025 stehen
In den Sektoren Handel, Investitionen und stabile Wertschöpfungsketten vereinbarten die EU und Indien eine verstärkte Kooperation bei der Stärkung von Lieferketten mit Fokus auf landwirtschaftliche Erzeugnisse, pharmazeutische Wirkstoffe und "saubere Technologien". Im Bereich Energie brachten beide Seiten Startups mit potenziellen Partnern und Investoren für das Recycling von Batterien von E-Autos zusammen.
er Handels- und Technologierat beschloss zudem eine Forschungszusammenarbeit rund um die Gewinnung von Wasserstoff aus Abfall, Akkus und Plastikmüll im Meer mit einem gemeinsamen Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Euro.
Für Indien als die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt ist die EU der stärkste Handelspartner mit einem Warenaustausch im Wert von 124 Milliarden Euro im Jahr 2023 und einem Anstieg um fast 90 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Beide Seiten nahmen 2022 ihre Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen wieder auf und wollen diese nun massiv vorantreiben. Die nächste Runde ist für den 10. bis 14. März in Brüssel geplant.
Ein solcher Pakt wäre der "größte dieser Art" weltweit, betonte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Neu-Delhi. Sie sei sich mit dem indischen Premierminister Narendra Modi einig, dass es bis Ende des Jahres klappen sollte. Bis dahin müssten aber noch einige Steine aus dem Weg geräumt werden. Während die EU und Indien so Zölle abbauen wollen, kündigte Trump gerade neue an für zahlreiche Länder inklusive der EU-Staaten.