Das fordern die Unternehmenschefs von der neuen Bundesregierung

Energie, Industrie, Verkehr, Arbeitsmarkt - vier der drängendsten Themen für die Wirtschaft und den Standort Deutschland. Was genau muss passieren, wo sollte die neue Regierung ansetzen? Das haben wir deutsche Unternehmen und ihre Chefs gefragt. Hier sind ihre Antworten: 

Befragt wurden:

Leonhard Birnbaum, Vorstandsvorsitzender E.on SE

André Schwämmlein, CEO Flix SE (Flixbus)

Peter Blersch, Deutschland-Chef Adecco Group

ThyssenKrupp (Unternehmensstatement)

Alle Statements der Wirtschaft zum Wahlausgang finden Sie in unserem Wirtschafts-Ticker 

1. Welches wirtschaftliche Thema muss die neue Regierung aus Ihrer Sicht als erstes angehen – und warum?

 

Leonhard Birnbaum, E.on:

Deutschlands Industrie hat mit einem ganzen Bündel an kritischen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Sei es die ständig sinkende Arbeitsproduktivität, die hohe Sozialabgabenquote, die längst die 40 Prozent überschritten hat oder die Steuerquote von 30 Prozent, die uns zum Hochsteuerland macht. Und auch aus Europa kamen in den letzten Jahren keine Impulse für Wachstum, sondern 13.000 neue Rechtsakte – 90 pro Woche –, die wir umsetzen müssen. Das Thema ist insofern vor allem die überbordende Bürokratie.

André Schwämmmlein, Flix:

„Eines der Fokusthemen der neuen Bundesregierung sollte das Vorantreiben der Verkehrswende sein. Wir müssen den Menschen attraktive Alternativen zum eigenen PKW anbieten und das geht nur mit einem starken Angebot an kollektiver Mobilität auf Straße und Schiene. Zum Beispiel denke ich da an Investitionen in die Schieneninfrastruktur.“

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ThyssenKrupp (Unternehmens-Statement):

„Die Bundestagswahlen sind eine bedeutende Chance, um die Weichen für eine zukunftsfähige Wirtschafts- und Industriepolitik in Deutschland neu zu stellen. Vor allem ist es wichtig, dass sich eine stabile und handlungsfähige Bundesregierung bildet, die die Defizite Deutschlands bei Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit entschlossen angeht.“

Peter Blersch, Adecco: 

„Der Weg aus der Rezession und die Rückkehr zu nachhaltigem wirtschaftlichem Wachstum ist für uns als Personal- und Technologiedienstleister das wirtschaftlich dringendste Thema. Deutschland braucht eine klare Strategie, um Unternehmen zu entlasten, Investitionen zu fördern und den Standort wieder international wettbewerbsfähig zu machen. Die Stärkung des Arbeitsmarktes muss hier an oberster Stelle stehen. Ohne ausreichend qualifizierte Arbeits- und Fachkräfte kann es kein nachhaltiges Wachstum geben. Die politischen Entscheidungsträger müssen Weiterbildung, Fachkräftezuwanderung und flexible Beschäftigungsmodelle gezielt fördern.“

2. Was ist das größte Hemmnis für Ihr Unternehmen, das die neue Bundesregierung aus dem Weg räumen sollte, um Ihren Geschäften neuen Antrieb zu geben?

 

Birnbaum: Ich bin mit vielen Kolleginnen und Kollegen bei anderen Unternehmen im regelmäßigen Austausch. Uns alle treibt um, dass die wirtschaftliche Gesamtentwicklung auf der Kippe steht. Die Konjunktur stagniert, und gerade Deutschland ist als Wirtschaftsmotor Europas heftig ins Stottern geraten. Zu viele Regionen schrumpfen anstatt zu wachsen, für viele traditionelle Industrien geht es mehr und mehr ums Überleben. Das sind nicht die großen Unternehmen, die in den Medien Gehör finden, und denen im Zweifel der Steuerzahler hilft, sondern die vielen Tausend kleinen und mittleren Betriebe, im Sauerland, im Bergischen Land, die leise sterben. Neue Hoffnungsträger – etwa in der Digitalwirtschaft – sind rar gesät, bei Zukunftsfeldern wie Künstlicher Intelligenz sind wir langsam, auf das Risiko fokussiert und ängstlich. Das Zinsumfeld und Finanzierungen sind schwierig, und es gibt derzeit relativ wenige Gründe, in Europa zu investieren. Der Business Case für Investitionen in Europa ist gerade richtig schlecht.“

Schwämmlein: „Deutschland hat die höchsten Trassenpreise in ganz Europa. Das erschwert es allen Anbietern, von der DB bis zu FlixTrain, ein attraktives Angebot für Reisende bereitzustellen. Eine Senkung der Trassenpreise ist eine Grundvoraussetzung für dauerhaft erschwingliche Ticketpreise im Bahnverkehr und eine erfolgreiche Verkehrswende. 

Blersch: „Zunächst möchte ich einmal ein Lob aussprechen: Der Wegfall der Schriftformerfordernis war ein positiver Schritt für uns Unternehmen. Hier muss aber noch mehr kommen, um einen positiven Auftrieb zu erzeugen. Die Bürokratie im Arbeitsmarkt hemmt Flexibilität und Innovation. Ganz konkret ist ein einfach geregelter Zuzug von Fachkräften für uns förderlich – bürokratische Hürden bei der Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis für ausländische Fachkräfte verlangsamen unsere Wirtschaft. Zudem müssen auch neu geschaffene Hemmnisse, die keinen gewünschten Effekt zeigen, wieder abgebaut werden: Dazu zählt für mich die Abschaffung der Höchstüberlassungsdauer.“

3. Welche Entscheidung, auf die Ihr Unternehmen schon lange wartet, sollte die neue Bundesregierung schnellstmöglich treffen und warum?

 

Birnbaum: „Unsere Energiepolitik muss agiler, marktorientierter und pragmatischer werden  – weg vom planwirtschaftlichen Ansatz mit Detailzielen. Dieses unflexible Vorgehen macht es am Ende für Kunden unverhältnismäßig und unnötig teuer. Mit dem Emissionshandel haben wir einen regulatorischen Rahmen, der an sich vollkommen ausreichend wäre. Warum haben wir nicht mehr Vertrauen in den Markt und die Klugheit der Bürgerinnen und Bürger, in diesem Rahmen zu den besten Lösungen zu kommen? 

Schwämmlein: Die Senkung der Trassenpreise im Sinne eines attraktiven Angebots im Schienenfernkehr hat Priorität – im Sinne der Fahrgäste und eines zukunftsfähigen Mobilitätsangebots.  

Blersch: „Deutschland braucht endlich eine moderne Zuwanderungspolitik mit einem effizienten Punktesystem und vereinfachten Visa-Prozessen für Fachkräfte. Andere Länder, wie beispielsweise Kanada, zeigen, wie es geht. Ebenso benötigt unsere Branche flexiblere gesetzliche Rahmenbedingungen für die Zeitarbeit und Personalvermittlung.“

ThyssenKrupp: „Die drängenden Strukturprobleme müssen zügig gelöst werden. Dazu zählen Themen wie Regulierung, Steuerlast, Infrastruktur, Produktivität, Bürokratie und Energiepreise.“

4. Welche wirtschaftliche Zukunfts-Vision sollte aus Ihrer Sicht in der nächsten Legislaturperiode verfolgt werden und warum?

 

Birnbaum: Es ist ein Irrtum, dass die Transformation – quasi automatisch – zu Wachstum führt. Das Gegenteil ist der Fall: Die Transformation kann überhaupt erst in einer wachsenden, starken Volkswirtschaft gelingen. Folglich müssen wir zunächst einmal das Wirtschaftswachstum stärken, um auf dieser Grundlage eine Transformation zu ermöglichen. Daher führt am Abbau der Bürokratie kein Weg vorbei, wenn wir im internationalen Standortwettbewerb mithalten wollen.“

Schwämmlein: „Ich wünsche mir eine Politik des Nach-vorne-Schauens. Deutschland hat wahnsinnig viel Potenzial, das aber genutzt werden muss. Dafür brauchen wir dringend eine Politik der Deregulierung und Entbürokratisierung.“

Blersch: „Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt muss sich Deutschland wieder als starker Innovations- und Wirtschaftsstandort positionieren, in dem Menschen, Technologie und Bildung Hand in Hand gehen. Das heißt klar: mehr Investitionen in eine enge Verzahnung von Wirtschaft und Weiterbildung und eine Arbeitsmarktpolitik, die flexible Beschäftigungsmodelle als Chance begreift – nicht als Risiko. Nur so bleibt Deutschland wettbewerbsfähig und schafft Arbeitsplätze für die Zukunft.“

ThyssenKrupp: „Deutschland muss für Investoren und Unternehmen wieder attraktiver werden. Nur so können neue Wachstumspotenziale gehoben werden. Dazu zählt auch weiterhin die notwendige grüne Transformation unserer Wirtschaftssysteme.“ 

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