KI-Update Deep-Dive: Hardware-Engpässe und Machtspiele auf dem KI-Markt

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Nvidia dominiert den KI-Markt weiterhin

Der KI-Boom hat die Nachfrage nach leistungsfähigen Chips in die Höhe getrieben. Doch wie steht es um die Verfügbarkeit der Hardware für das Training und den Einsatz von KI-Modellen? "Nach wie vor ist es so, dass Nvidia diesen Markt gnadenlos dominiert und wahnsinnige Erträge damit erzielen kann", erklärt Christof Windeck vom Hardware-Ressort der c't in der aktuellen Folge des Podcasts. Trotz zwischenzeitlicher Kursturbulenzen in der KI-Branche sind die großen Player bei KI-Modellen weiterhin auf Nvidia angewiesen.

Das bedeutet allerdings auch, dass Nvidia beliebige Preise nehmen kann "und es gibt schon seit einigen Jahren die Situation, dass Nvidia im Grunde steuert, wer überhaupt welche KI-Modelle trainieren kann, indem sie einfach die Hardware entsprechend zuteilen", sagt Windeck. Mit der neuen Blackwell-Familie könnte der Chip-Hersteller sogar noch höhere Preise durchsetzen.

Konkurrierende Anbieter wie AMD haben es schwer aufzuholen. "Ein ganz entscheidender Punkt ist die Software", betont Windeck. "AMD holt ein bisschen auf, aber bisher ist mir keine große Publikation bekannt, in der jemand gesagt hat 'Wir haben ein super Modell entwickelt, danke AMD, das ging mit euch besonders gut', sondern es hört sich immer so an, wie 'Wir haben das mit Nvidia gemacht'."

Intel in der Krise und europäische Abhängigkeiten

Intel scheint derweil "gar keinen Plan zu haben", wie Windeck es formuliert. Die Interim-Chefin Michelle Holthaus habe erst kürzlich festgestellt, "dass es nicht nur reicht, die gute Hardware zu bauen, sondern man müsse auch die Software dazulegen." Eine Erkenntnis, die angesichts der Dominanz von Nvidias Software-Infrastruktur reichlich spät kommt.

Gleichzeitig werden Chipfabriken nicht gebaut oder aufgeschoben. Allerdings bleibt Intel mit etwa 70 Prozent Marktanteil bei Servern und einer starken Position im Notebook-Bereich "unersetzlich", betont Windeck. Das Unternehmen kämpft jedoch mit Innovationsproblemen. "Es sieht im Moment ganz stark danach aus, als würde Intel aufgespalten in den Teil, der die Prozessoren entwickelt und verkauft, und in die Fertigungssparte", erläutert Windeck.

Für Europa bedeutet die aktuelle Situation ein erhebliches Risiko. "Europäische Forschungsinstitutionen empfinden es als reale Bedrohung, dass, wenn sich das Klima zwischen Europa oder Deutschland und den USA weiter verschlechtert, die USA auch Ausfuhrbegrenzungen gegen Europa erlassen könnten", warnt Windeck. Dies war bereits der Hintergrund für die European Processor Initiative (EPI) und den European Chips Act.

Podcast: KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im "KI-Update" von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

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Projekt Stargate und der Kampf um Energie

Ein neues Megaprojekt sorgt derzeit für Aufsehen: Projekt Stargate, eine 500-Milliarden-Dollar-Initiative für KI-Rechenzentren. "Das ist ein Konsortium aus mindestens drei Firmen, nämlich OpenAI, Oracle und der japanischen Firma SoftBank", erklärt Windeck. Bemerkenswert sei, dass nicht Microsoft, sondern Oracle als Cloud-Partner beteiligt ist, obwohl OpenAI eng mit Microsoft verbunden ist.

Das erste Rechenzentrum entsteht bereits in Abilene, Texas, wo reichlich Windstrom verfügbar ist. "Stargate bekommt den Windstrom dort günstig, weil Texas sehr dünn besiedelt ist und sehr groß. Und die Windfarmen haben das Problem, genau wie in Deutschland, sie kriegen den Windstrom nicht schnell genug da weg", erläutert Windeck. Darum passt dort der alte Gedanke: "Ich kann Daten leichter transportieren als Strom." Rechenzentren nah an existierende Stromproduzenten irgendwo im Nirgendwo anzusiedeln, ist für beide Seiten ein sinnvolles Geschäft.

Auch andere Tech-Giganten bauen ihre eigenen Rechenzentren. Elon Musk hat für seine Firma X-AI ein ehemaliges Electrolux-Werk in Memphis, Tennessee, umgebaut. "Alte Industrieanlagen zu Rechenzentren umzurüsten, ist ebenfalls sinnvoll", meint Windeck. Denn die Infrastruktur ist schon vorhanden. "Musk war so stolz drauf, dass sie unter 30 Wochen gebraucht haben, um dieses Rechenzentrum in Betrieb zu nehmen." Das war nur möglich, weil Straßen, Leitungen und Industriegebäude schon vorhanden waren.

Insgesamt gibt es "sehr widersprüchliche Signale" auf dem Markt. Während einige Unternehmen in die Krise rutschen, investieren andere Milliardensummen in neue Recheninfrastruktur. Klar ist jedoch: "Im Moment werden auf allen Ebenen KI-Kapazitäten ausgebaut." Die Frage bleibt, ob die Geschäftsmodelle diese enormen Investitionen und Stromkosten langfristig rechtfertigen können.

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