"Buchungen massiv gesunken" – jetzt fürchten Touristen die USA als Reiseziel
Die amerikanische Tourismusbranche zittert. Seit den Strafzolldrohungen von Präsident Donald Trump auf Waren aus Kanada, Europa, Mexiko und China rechnet der US-Fremdenverkehr mit heftigen Einbußen europäischer, mexikanischer, chinesischer und vor allem kanadischer Gäste. Hotels, Fluglinien, Ferienwohnungsvermieter, Souvenirläden und Restaurants bangen um ihre Umsätze.
Die Beispiele deutscher Touristen, die von amerikanischen Grenzpolizisten verhaftet wurden, sorgten auch in den USA für Schlagzeilen. Dabei war schon vor dem Skandal klar: Immer weniger Europäer, Chinesen und Mexikaner wollen nach Trumps Drohungen noch in die USA reisen.
23 Prozent weniger kanadische Touristen in den USA
Besonders gravierend könnten die Einbußen durch Kanadier werden. Noch im vergangenen Jahr kamen laut der Bundesbehörde Statistics Canada 20,4 Millionen Besucher aus Kanada nach Amerika. Rund 19 Milliarden US-Dollar gaben sie dabei aus. Allein diesen Februar kamen schon 23 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.
Aktuellen Umfragen zufolge will über die Hälfte aller Kanadier nicht mehr nach Amerika reisen. 36 Prozent der Befragten, die schon einen USA-Besuch gebucht hatten, wollten ihre Reise wieder stornieren. Der Rückgang kanadischer Besucher könnte laut dem Reiseverband "US Travel Association” zu Verlusten von 14.000 Arbeitsplätzen und milliardenschweren Ausgaben führen.
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Einige Kanadier wollen in den USA nicht einmal mehr zwischenlanden und buchen ihre internationalen Flüge gezielt so um, dass sie selbst kurze Transitzeiten an amerikanischen Flughäfen vermeiden.
Touristen weichen auf Alternativziele aus
Michael Mortensen aus Vancouver hatte für seine Familie ursprünglich einen zweiwöchigen Urlaub auf Hawaii geplant. Rund 10.000 Dollar hätte die Reise insgesamt kosten sollen, sagte der 58-jährige Consultant. Doch nun sucht er nach anderen Ferienzielen, außerhalb der USA und “mit Flügen, die nicht einmal einen Zwischenstopp in Amerika einlegen”, wie er gegenüber dem Nachrichtensender NBC betonte.
"Ich würde mich schämen, hier noch Urlaub zu machen", erklärte auch Arthur Jadischke aus Ontario in der “New York Times”(NYT). Jahrelang sind er und seine Frau zum Urlaub nach Myrtle Beach gekommen. Der entspannte Strandort in South Carolina galt als Ferienhochburg unter Kanadiern – mit Feierlichkeiten wie den “Can-Am Days”, einer 60-jährigen Tradition, bei der der örtliche “Lions Club” die kanadischen “Lions Club”-Mitglieder auf Willkommenspartys und Golfturnieren begrüßt.
- "Weder eine gültige ESTA-Genehmigung noch ein gültiges US-Visum begründen einen Anspruch auf Einreise in die USA. Die endgültige Entscheidung über die Einreise trifft der US-Grenzbeamte", heißt es auf der Seite des Auswärtigen Amtes. Gegen diese Entscheidung gebe es keinen Rechtsbehelf. "Den deutschen Auslandsvertretungen ist es nicht möglich, auf die Rückgängigmachung einer Einreiseverweigerung hinzuwirken", so das Amt.
- Der geplante Aufenthaltszweck sollte der Wahrheit entsprechen. Wenn der Grenzbeamte Zweifel am Aufenthaltszweck hat, kann er die Einreise verweigern. Auf der AA-Webseite heißt es: "Vorstrafen in den USA, falsche Angaben zum Aufenthaltszweck oder eine auch nur geringfügige Überschreitung der Aufenthaltsdauer bei Reisen können bei Ein- bzw. Ausreise zu Festnahme, Abschiebehaft und Abschiebung führen."
- Sollten bei Einreise in die USA Probleme aufgetreten sein, kann nach Rückkehr das Department of Homeland Security (DHS) kontaktiert werden. Bei dessen „Traveler Redress Inquiry Program“ (DHS TRIP), der zentralen Anlaufstelle für Fragen und Anträge auf Abhilfe bei Problemen in Zusammenhang mit der Einreise in die USA, kann ein Online-Formular ausgefüllt und Angaben zur Person und Art der negativen Erfahrungen gemacht werden, um Auskunft und/oder Abhilfe zu bitten.
Trumps Drohungen verärgern Kanadier
Auch die Kanadierin Amy Gleiser stornierte dieses Jahr ihre Ferienwohnung in Myrtle Beach – und das, obwohl ihr die Anzahlung nicht zurückerstattet wird, wie sie der NYT verriet. Trumps Drohungen, Kanada zum 51. US-Staat zu machen sowie seine angekündigten Strafzölle wolle sie einfach nicht hinnehmen. “Für uns fühlt sich das wie Mobbing an”, so die 47-Jährige. Stattdessen werde sie mit ihrer Familie Urlaub in Mexiko machen.
Auch in New York dürften sich die Boykotte deutlich zeigen. Schließlich kamen 2023 laut Behörden vier Millionen Kanadier nach New York und gaben über 1,7 Milliarden Dollar aus – davon über eine Million Besucher allein in New York City. Doch nun werden Geschäfts- und Schulreisen aus Kanada ebenso abgesagt wie private Trips.
“Unsere Buchungen sind auf Null oder eine pro Tag zurückgegangen”, sagte Al Qanun, Besitzer eines Unternehmens für Busreisen zwischen Kanada und New York, gegenüber der NYT. Ein New Yorker Reiseunternehmer schätzte ebenfalls: Seine Umsätze mit kanadischen Besuchern dürften um 50 Prozent sinken. “Wenn man ein Land verärgert und mit einer Annexion droht, wollen die Leute nicht mehr herkommen”, so Matt Levy in der Tageszeitung.
Studenten sollten nicht ausreisen
Und nun raten auch zahlreiche US-Colleges ihren internationalen Studenten, das Land während der bevorstehenden Semesterferien lieber nicht zu verlassen. Auch mit gültigen Visa gäbe es aktuell keine Garantie mehr, nach einer Reise wieder in die USA zurückgelassen zu werden. Nachdem ein Professor mit Arbeitsvisum bei seiner Rückkehr aus dem Libanon deportiert wurde, mahnte die renommierte Brown University vor der anstehenden Spring Break: Ausländische Studenten und Fakultätsmitglieder, auch mit Visa oder Green Cards, sollten “aus Vorsichtsmaßnahmen von Reisen ins Ausland absehen”.
Aufgrund der ungewissen Wirtschaftsprognosen hatten zahlreiche amerikanische Fluglinien ihre Prognosen für das erste Quartal 2025 ohnehin schon zurückgeschraubt. Lisa Shea, Hochschuldozentin aus Quebec, hatte ihren Flug nach Kalifornien im Juni bereits vor geraumer Zeit gebucht – allerdings ohne Reiserücktrittsversicherung. Trotzdem werde sie den Flug stornieren und den finanziellen Verlust in Kauf nehmen, sagte die 56-Jährige auf NBC: “Ich investiere mein Geld lieber in Märkte, wo Stabilität und gegenseitiger Respekt im Vordergrund stehen.”