Die ISS ist zu steril: Mehr "Dreck" könnte Gesundheit der Besatzung erhöhen
>Die Internationale Raumstation ISS ist zu steril, und mehr Mikroben aus der Natur könnten womöglich dafür sorgen, dass Astronauten und Astronautinnen dort weniger oft erkranken. Das ist das Ergebnis der bislang umfangreichsten Auswertung von Proben, die von Oberflächen an Bord der Raumstation genommen wurden, berichtet die Universität von Kalifornien, San Diego. Die meisten darin gefundenen Mikroben stammen demnach von menschlicher Haut, außerdem habe man viele Chemikalien von Reinigungsprodukten und Desinfektionsmitteln nachgewiesen. Am ähnlichsten sei der Außenposten der Menschheit im All demnach noch Krankenhäusern sowie abgeschotteten Lebensräumen, und damit nicht besonders gesund.
Steril wie ein Krankenhaus
Wie die Forschungsgruppe um Rodolfo Salido jetzt erklärt, leiden Astronauten und Astronautinnen an Bord der ISS häufig an Immunstörungen, Hautausschlägen und entzündlichen Erkrankungen. Um zu ergründen, ob das an der Sterilität der Umgebung liegt, hat sie Proben analysiert, die an über 800 Stellen in der ISS genommen wurden – mehr als 100 Mal so viele wie in früheren Studien. Damit hätten sie eine dreidimensionale Karte des Mikrobioms an Bord der Raumstation erstellt. Tatsächlich habe man anhand der Mikroben erkennen können, wo auf der ISS Essen zubereitet wird, oder wo sich die Toiletten befinden. Insgesamt sei die Vielfalt aber deutlich geringer gewesen als in irdischen Lebensräumen.
Insgesamt habe sich ergeben, dass der ISS an jenen frei lebenden Mikroben fehlt, die auf der Erde etwa im Boden und im Wasser vorkommen. Wenn man die und die Umgebungen, in denen sie vorkommen, absichtlich auf die ISS verbringe, könnte das der Gesundheit der Besatzung dienlich sein, ohne dass es Einschränkungen bei der Hygiene gebe, schreibt das Team. Das verweist auf die belegten positiven Auswirkungen von Gartenarbeit für die Gesundheit. Es gehe darum, dass die Menschen dort nicht mehr "in ihrem eigenen Dreck schmoren", wie es in einer solchen geschlossenen Umgebung der Fall ist, in die keine gesunden Quellen von Mikroben von außen eindringen können.
Insgesamt will die Forschungsgruppe ihren Befund nicht nur als wichtig für den Betrieb der ISS verstanden wissen. "Wenn wir wirklich wollen, dass das Leben außerhalb der Erde gedeiht, können wir nicht nur einen kleinen Teil des Baums des Lebens ins All schicken und hoffen, dass schon alles gut wird", meint Salido. Man müsse überlegen, welche nützlichen Begleiter man Astronauten und Astronautinnen mit auf den Weg gebe, um Ökosysteme zu entwickeln, die nachhaltig und nützlich für alle sind. Veröffentlicht wurde die Forschungsarbeit jetzt im Fachmagazin Cell.