Work from Home: Ein Viertel Heimarbeit hat sich etabliert

>Etwa ein Viertel aller Beschäftigten arbeitet ganz oder teilweise von zu Hause aus. Die Zahl stabilisiert sich damit zusehends. Doch zwischen den einzelnen Branchen gibt es teils enorme Unterschiede: Während im Beherbergungsgewerbe und der Gastronomie nur knapp zwei Prozent der Beschäftigten die Vor- und Nachteile der Arbeit aus den eigenen vier Wänden wahrnehmen, sind es bei IT-Dienstleistern fast drei Viertel. Auch in Werbung und Marktforschung arbeitet der überwiegende Teil mit deutlich über 50 Prozent zumindest zeitweise nicht an einem Arbeitsplatz in Gebäuden des Arbeitgebers.

Damit sank die postpandemische Heimarbeitsquote nach Angaben der befragten Unternehmen bis heute um gerade einmal 6 bis 7 Prozent. Dieser Wert hat sich gleichförmig entwickelt: Unabhängig von der Art der Unternehmen sank der Anteil seit den Spitzenwerten im März 2021 laut den Ifo-Daten branchenübergreifend bis April 2022 ab. Seitdem verharrt er konstant – im Rahmen statistischer Schwankungen – auf diesem Niveau. "Die Homeoffice-Quote bleibt seit April 2022 nahezu unverändert", sieht Jean-Victor Alipour vom Ifo-Institut eine nahezu konstante Stabilisierung, deren Schwankungen statistisch bedingt sein dürften.

Große Schwankung zwischen den Bereichen

In Deutschland liegt das verarbeitende Gewerbe mit 16,9 Prozent deutlich unter dem Niveau der Dienstleister, die auf im Durchschnitt 34,3 Prozent kommen. Dazwischen liegt der Handel mit 12,5 Prozent, in dem im Großhandel die Remote-Arbeit mit 17,3 Prozent deutlich verbreiteter ist als im Einzelhandel, wo nur jeder 20. diese Arbeitsform nutzen kann oder will. Kaum von zu Hause gearbeitet wird, wenig überraschend, im Bauhauptgewerbe.

Bei den verarbeitenden Gewerben stechen einige Bereiche deutlich heraus: Bei Textilunternehmen arbeitet etwa jeder Dritte zumindest teilweise von daheim. Auch bei Chemie, Pharmazeutika, Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, im Maschinenbau und bei Herstellern von optischem und elektronischem Equipment ist die Heimarbeitsquote deutlich höher als in anderen Zweigen wie bei Schuhherstellern oder Nahrungs- und Futtermittelbetrieben.

Daten aus den Niederlanden, wo der Anteil der Teil- oder Ganz-Heimarbeiter im vergangenen Jahr bei deutlich über 50 Prozent und damit an der europäischen Spitze lag, hatten gezeigt, dass diese Mitarbeiter im Durchschnitt auch weiter vom Arbeitsplatz entfernt wohnen. Mit im Durchschnitt 40 Minuten hätten sie einen um eine Viertelstunde längeren Weg als Arbeitnehmer, die keine Arbeit von zu Hause aus verrichten. Wer ausschließlich von Zuhause aus arbeitet, würde nach den Daten der niederländischen Statistikbehörde sogar 53 Minuten pro Weg zum Arbeitsplatz beim Arbeitgeber benötigen.

Für Deutschland beobachteten Forscher des Instituts für Arbeitsmark- und Berufsforschung (IAB) eine signifikante Tendenz dazu, dass Mitarbeiter, deren Beruf das Arbeiten von zu Hause ermögliche, häufiger weiter von ihrem Arbeitsplatz wegzögen oder Arbeitsverhältnisse annehmen, die weiter vom Wohnort entfernt liegen.

Zurück-ins-Büro-Befehl soll Mitarbeiter zum Kündigen bringen

Würden Unternehmen die Angestellten zurückbeordern, ginge es nicht in allen Fällen tatsächlich um Firmenkultur oder erhoffte Produktivitätsgewinne. "Dabei stehen nicht unbedingt eine höhere Leistung der Mitarbeitenden im Mittelpunkt", sagt Alipour: "Solche Maßnahmen können auch freiwillige Kündigungen fördern." Dieser Verdacht hatte sich bei einigen "Back to Office"-Maßnahmen von Unternehmen bereits aufgedrängt – und Unternehmen vor ganz neue Probleme gestellt. Die Forschung zeigt, sagt Alipour, dass etwa hybride Homeoffice-Modelle im Regelfall die Produktivität nicht beeinflussen würden. Persönlicher Austausch und Produktivität ließen sich durch eine gute Koordinierung von Präsenztagen steigern. Die Flexibilität für Beschäftigte würde damit zwar sinken, der Umfang an Homeoffice allerdings nicht automatisch.

Das könnte Ihnen auch gefallen