GPS in der Krise: FCC sucht neue Verfahren

>Alternativen, Ergänzungen und Verbesserungen des Global Positioning Systems (GPS) stehen auf der Tagesordnung der US-Regulierungsbehörde FCC. Die Behörde, die in den USA für die Zuteilung von Satellitenfunkfrequenzen zuständig ist, plant die Einleitung einer umfangreichen Untersuchung. Dank Bill Clinton profitiert die Welt seit bald 25 Jahren von viel genaueren Signalen des GPS, die zuvor US-Militärs und bestimmten Verbündeten vorbehalten waren. Es dürfte heute auf der Erde mehr GPS-Empfänger geben als Menschen. Der enorme Erfolg des Ortungssystems hat es jedoch zur Achillesferse werden lassen.

Das von der US-Luftwaffe betriebene, satellitenbasierte System hat ganze Geschäftszweige gezeitigt, an die niemand gedacht hat, etwa ortsbasierte Dating-Apps, ortsbasierte Reklame oder Spiele. Lieferketten wären ohne GPS unvorstellbar, von der gegebenen Qualität der Welternährung ohne Präzisionsackerbau ganz zu schweigen. Der GPS-Markt setzt jährlich hunderte Milliarden Euro um.

Das Verfahren ist vielleicht zu erfolgreich: Schon seit geraumer Zeit betrachtet das US-Ministerium für Heimatsicherheit die umfassende Abhängigkeit von GPS als Risiko für die nationale Sicherheit des Landes. Derzeit sind gezielte Störaktionen in der Ostsee in den Schlagzeilen, Forscher vermuten russische GPS-Störsender auf Schiffen.

Die geplante FCC-Untersuchung

Im Rahmen einer sogenannten Inquiry möchte sich die FCC mit interessierten Gruppen austauschen. Dabei sollen Bemühungen zur Entwicklung ergänzender, robuster Technik erörtert werden. Die Behörde möchte Kommentare zu verschiedenen Verfahren sammeln, sowohl im Weltraum (möglicherweise in erdnahen oder mittleren Umlaufbahnen) als auch auf dem Boden. So könnten beispielsweise Funksignale von Radio- und Fernsehsendern, Mobilfunknetzen oder WLANs herangezogen werden, wenn der Standort des jeweiligen Emitters bekannt ist.

Der Austausch soll sehr breit erfolgen. Fragen wie geografische Verfügbarkeit, Kosten, Frequenzbedarf, Genauigkeit, Reichweite, Haltbarkeit, internationale Beziehungen und andere mehr sollen behandelt werden. Zudem möchte die Behörde hören, was sie tun kann, um einerseits die Sicherheit von Ortungsmethoden für Verbraucher zu stärken, andererseits die Verbreitung alternativer oder komplementärer Technik zu fördern. Der formale Beschluss zur Einleitung der Untersuchung könnte am 27. März fallen.

GPS

GPS-Satelliten senden Signale mit sehr exaktem Zeitstempel aus. Der Empfänger kann daraus nicht nur die Uhrzeit berechnen, sondern auch, wie lange das Signal unterwegs war. Daraus lässt sich wiederum ableiten, wie lange die vom Funksignal zurückgelegte Strecke war. Empfängt man Signale von mindestens vier GPS-Satelliten, deren Aufenthaltsort zum Sendezeitpunkt bekannt ist, kann man daraus die eigene Position errechnen.

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