Gender Pay Gap: Auch in der IT verdienen Frauen schlechter als Männer
Laut Angaben des Statistischen Bundesamts lag 2024 die Zahl dessen, was Frauen weniger verdienen als Männer, durchschnittlich bei 16 Prozent. Diese auch als Gender Pay Gap bezeichnete Problematik ist damit laut den Bundesstatistikern erstmals seit 2020 wieder geschrumpft – und zwar um zwei Prozentpunkte. Im Jahr 2006 hatten Männer im Schnitt sogar noch 23 Prozent mehr verdient. Dem Bundesamt zufolge ist die bereinigte Lohnlücke allerdings unverändert geblieben: Wenn im Rechenmodell Faktoren wie Teilzeitarbeit und die schlechtere Bezahlung in typischen "Frauenberufen" herausgerechnet würden, bliebe genau wie im Vorjahr 2023 eine Lohnlücke von sechs Prozent.
Diese berufsübergreifende Lücke entspricht mehr oder minder dem Bild für die IT-Branche, das verschiedene Jobportale auf Anfrage der iX-Redaktion anhand ihrer Gehaltsdaten skizziert haben. So kommt man Stepstone zufolge bei einem allgemeinen Median-Bruttojahresgehalt von 58.000 Euro für die IT-Branche auf ein bereinigtes Pay Gap von rund 6,3 Prozent, um die Frauen trotz vergleichbarer Qualifikation für vergleichbare Arbeit schlechter abschneiden als Männer. Median bezeichnet den Wert, der in einer Zahlenreihe genau in der Mitte liegt. Auch das Portal Hays nennt einen Wert von rund sechs Prozent für die Lücke.
Stepstone kommt bei seinem Mediangehalt nur für die Männer in der IT auf 58.750 Euro, für Frauen auf 53.500 Euro. Noch drastischer fällt der Unterschied bei dem allgemeinen Durchschnittsgehalt aus, den das Portal Kununu ermittelt hat. Hier kommen die ITlerinnen auf 51.673 Euro, die Männer in der IT hingegen auf 60.897 Euro.
10.000 Euro weniger für Software-Beraterinnen
Ein Blick auf verschiedene Berufsgruppen innerhalb der IT zeigt auch durchgängig schlechter verdienende Frauen. Hier unterscheiden sich die Berufsfelder allenfalls in der Ausprägung. Fast schon ein Ausreißer mit sehr geringer Abweichung ist laut Zahlen von Kununu der IT-Support, in dem Männer im Durchschnitt 44.632 Euro pro Jahr verdienen und Frauen 43.751 Euro. Meist liegt die Differenz eher bei mehreren Tausend Euro im Jahr, etwa im IT-Projektmanagement (Männer 71.599 Euro, Frauen 63.108 Euro). Am deutlichsten zeigt sich die Lücke beim Job des Software-Beraters mit fast 10.000 Euro – Männer liegen hier Kununu zufolge im Durchschnitt bei 67.564 Euro und Frauen bei 57.586 Euro.
Auch der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit dokumentiert deutliche Geschlechts-Unterschiede in verschiedenen IT-Berufen. Hier handelt es sich wieder um Medianwerte für das Bruttomonatsgehalt, nicht um Durchschnittszahlen wie bei Kununu. Informatikerinnen ohne besondere Spezialisierung kommen demnach auf 5.815 Euro brutto im Monat, Informatiker auf 6.287 Euro. In der Software-Entwicklung liegt der Median-Monatslohn für Frauen bei 5.204 Euro und für Männer bei 5.951 Euro und auch in der IT-Beratung sieht es ähnlich aus (5.051 Euro für Frauen, Männer 5.725 Euro).
Zum Berufsstart noch fast gleichauf
Nimmt man den Aspekt der Berufserfahrung hinzu, zeigt sich: Männer und Frauen beginnen die IT-Karriere mit nahezu gleichem Lohn. Mit zunehmender Berufserfahrung ziehen dann die Männer den Frauen davon. Bei den entsprechenden Daten von Stepstone mit Bruttojahresgehältern im Median weisen die Frauen in der Kategorie der Berufserfahrung unter einem Jahr sogar ein leichtes Gehaltsplus gegenüber den Männern auf – 45.000 Euro gegenüber 44.750 Euro. Bei ein bis zwei Jahren Erfahrung liegen beide Geschlechter noch gleichauf bei 48.250 Euro. Und in den folgenden Erfahrungsstufen setzt die Spreizung ein und nimmt immer weiter zu.
Während Frauen dann ab zehn Jahren Erfahrung nur noch geringe Lohnsteigerungen erzielen, können Männer den Stepstone-Zahlen nach noch deutliche Zuwächse herausholen. Nach über zehn Jahren im IT-Job kommen Frauen auf 59.750 Euro, Männer auf 68.500 Euro. Und mit mehr als 25 Jahren Erfahrung sind es 62.250 Euro für Frauen und 74.250 Euro für Männer.
Auch Kununus Gehaltsdaten für Software-Entwickler verschiedener Erfahrungsstufen zeigen bei Männern und Frauen am Beginn nur einen geringen Unterschied, mit 47.497 Euro durchschnittlichen Jahresgehalt für Frauen und 47.811 Euro für Männer. Die Männer bauen ihren Lohnvorsprung dann immer weiter aus: Mit zehn oder mehr Jahren Berufserfahrung streichen männliche Devs 70.659 Euro ein, die Frauen auf gleicher Erfahrungsstufe 67.181 Euro.
Auch in Führungsposten bleibt die Lücke
Und sogar wenn es um Führungspositionen geht, schneiden die Frauen in der IT schlechter ab, wie Hays in einer Erhebung mit Zahlen von 2023 ermittelt hat. Auf der Ebene der Teamleitungen gebe es einen Unterschied von 11 Prozent zwischen den Gehältern von Männern und Frauen, auf der Ebene der Bereichsleitung sogar schon von 19 Prozent. Generell fielen Frauen bei Führungsaufgaben ohnehin schneller durchs Karriereraster und blieben auf den unteren Ebenen hängen, führte Sarah Köhl, Director of Technology bei Hays, aus.
Das liege unter anderem an häufigen Karrierepausen durch Elternzeit. Ebenso arbeiteten nicht wenige Frauen in Teilzeit, während zugleich Führungspositionen nur sehr vereinzelt in Teilzeit angeboten werden. Und wenn es auf bestimmten Hierarchie-Ebenen nur noch wenige oder gar keine Frauen mehr gebe, würden eben auch nur noch Männer weiter befördert, so Köhl.
Insgesamt sind Jobs in der IT nach wie vor eine Männerdomäne. Laut Bundesagentur für Arbeit liegt der Frauenanteil unter den IT-Fachkräften bei 18 Prozent. Der Frauenanteil im klassischen Informatikstudium beträgt nach Zahlen des Statistischen Bundesamts von 2023 rund 23 Prozent, wobei sich in interdisziplinären Fächern wie Medizininformatik oder Bioinformatik deutlich höhere Zahlen finden. Besonders klein ist der Frauenanteil in den IT-Ausbildungsfächern mit nur 12 Prozent.