Ein zweites DeepSeek? Baidus große Pläne mit "Ernie"

Der chinesische Techkonzern Baidu hat zwei neue KI-Modelle namens Ernie (Enhanced Representation through Knowledge Integration) auf den Markt gebracht. Wie das Unternehmen mitteilte, handelt es sich um ein Basis-Modell namens Ernie 4.5 und das auf logisches Denken ausgerichtete Modell Ernie X1. Dieses soll laut Firmenangaben "die gleiche Leistung" wie die chinesische KI DeepSeek bieten, aber "nur die Hälfte" kosten.

X1 verfüge über "stärkere Verständnis-, Planungs-, Reflexions- und Evolutionsfähigkeiten", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Baidu. Dem neuen Basismodell Ernie 4.5 attestiert Baidu demnach "ausgezeichnete multimodale Verständnisfähigkeiten", fortschrittlichere Sprachfähigkeiten, und umfassend verbesserten Verständnis-, Generierungs-, Logik- und Gedächtnisfähigkeiten.

Außerdem lobt Baidu den hohen EQ (Emotional Quotient) von Ernie, der es möglich mache, Memes und satirische Cartoons zu verstehen. Das können die ChatGPT-Chatbots von OpenAI allerdings schon länger. Genaue Kennzahlen zu seinen Modellen – etwa, wie viele Parameter jeweils genutzt werden – bleibt Baidu jedoch schuldig.

Ernie startete als Flop

Generell ist es hilfreich, die neuerlichen Aussagen von Baidu im Kontext zu betrachten. Als die KI das erste Mal an den Start ging, sprach Baidu noch ganz anders darüber. "Wir können nicht behaupten, dass es perfekt ist", soll Baidu-Chef Robin Li laut Reuters bei der Präsentation gesagt haben. "Warum also stellen wir es heute vor? Weil der Markt es verlangt", stellte er klar. Die Baidu-Veranstaltung soll damals nicht live gewesen und von einem Menschen ins Englische übersetzt worden sein – zumindest letzteres spricht gegen die Fähigkeiten der KI, wenn diese nicht mal live übersetzen kann. Schon 2023 gab es derartige Funktionen bereits länger, beispielsweise in Microsoft Teams.

Einige Monate später präsentierte Li dann Ernie 4.0 auf einer Firmenkonferenz die Fähigkeiten des Chatbots beim Verstehen und Beantworten komplexer Fragen, bei der Bildgenerierung sowie dem Umgang mit Grundrechenarten. Die KI sollte laut Li in verschiedene Apps, Lösungen und Produkte Baidus integriert werden.

Ein zweites DeepSeek?

Die jetzige Strategie erinnert sehr stark an die des chinesischen Start-Ups DeepSeek. Dieses hatte zu Beginn des Jahres mit seinem gleichnamigen Chatbot für Furore gesorgt. Denn die Firma gab an, mit einem Bruchteil der bisher üblichen Kosten ein Produkt entwickelt zu haben, das der Konkurrenz von ChatGPT von US-Platzhirsch OpenAI ebenbürtig sei. Dies löste ein kurzzeitiges Börsenbeben in den Vereinigten Staaten aus, da Investoren die Effizienz der US-Techfirmen in Zweifel zogen. Der Kurs des Chipproduzenten Nvidia brach kurzzeitig um 17 Prozent ein.

Baidu stellt nach eigenen Angaben auf X seinen KI-Chatbot "Ernie Bot" ab sofort kostenlos zur Verfügung. Dieser spricht zwar auch englisch, die Benutzeroberfläche ist bislang aber nur auf chinesisch verfügbar (Stand: 15. März). Seit etwa anderthalb Jahren gibt es bereits Premium-Versionen. Laut Reuters hat in China der Chatbot Doubao von ByteDance mit 78,6 Millionen die meisten aktiven monatlichen Nutzer, DeepSeek hat 33,7 Millionen und Ernie Bot 13 Millionen. Ab dem 30. Juni soll die Ernie 4.5-Serie zudem offiziell als Open Source zur Verfügung stehen, kündigte Baidu in einem WeChat-Post an. Baidu plant laut Reuters auch die Einführung eines neuen Modells der nächsten Generation, Ernie 5, in der zweiten Hälfte des Jahres 2025, wie die Nachrichtenagentur aus Unternehmenskreisen erfuhr.

Ob Baidu mit seiner Technologie wirklich derselbe Erfolg gelingt wie DeepSeek, bleibt abzuwarten. Ebenso, wie der chinesische Anbieter im Punkt Datenschutz aufgestellt ist. Das Urteil deutscher Datenschützer bei DeepSeek fiel vernichtend aus: Es scheint dort an "so ziemlich allem zu fehlen". DeepSeeks Server stehen in China, sodass auch alle Daten, die bei der Nutzung entstehen, dort verarbeitet werden.

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