Seekabel-Gipfel: So sollen die Datenkabel sicherer werden
>Seekabel waren auch schon früher wichtig, gingen gelegentlich mal kaputt und es gab nur wenige, die sie auf hoher See reparieren können. Infolge der weltpolitischen Geschehnisse sind die Datenleitungen, die 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs abwickeln, aber plötzlich deutlich mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Nicht zuletzt die diversen Kabelschäden in der Ostsee und der Sabotageverdacht gegen Russland sowie andere Akteure haben immer mehr Stimmen laut werden lassen, die nach umfassenderem Schutz verlangen.
Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt die Internationale Fernmeldeunion ITU. In Abuja in Nigeria hielt sie zusammen mit weiteren Akteuren den ersten International Submarine Cable Resilience Summit ab. Vertreter von Regierungen sowie Führungskräfte aus der Industrie und von internationalen Organisationen berieten zwei Tage lang darüber, wie die Verbindungen mit einer Gesamtlänge von 1,7 Millionen Kilometern widerstandsfähiger gemacht werden können. Aktuell gebe es weltweit 150 bis 200 Störungen pro Jahr. Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Digitalisierung seien die Folgen auf Volkswirtschaften und freien Informationszugang aber weitreichender denn je.
Mehr Landepunkte schaffen
Die veröffentlichte Abschlusserklärung plädiert dafür, die Risiken zu minimieren. Dies könne etwa dadurch erreicht werden, dass Kabel auf verschiedenen Routen verlegt werden. Auch eine Streuung der Landepunkte in den jeweiligen Ländern könne dazu beitragen, dass es weniger “Points of Failure” gibt, die für Saboteure besonders interessant sind. Bislang ist es vielfach so, dass Kabel gleiche Routen nehmen und einzelne Anlandepunkte gleich für diverse Seekabel verwendet werden.
Ein weiterer Punkt betrifft ein höheres Tempo beim Verlegen und Reparieren von Seekabeln. Hierzu sei ein großer Schulterschluss zwischen allen Akteuren notwendig. Wichtig sei auch, beim Ausbau vor die Lage zu kommen, also möglichst heute schon zukünftige Konnektivitätsanforderungen zu erkennen und neue Kabel zu verlegen.
Arbeitsgruppen gegründet
Nach dem Gipfel bleiben viele Detailfragen, die jetzt in neu gegründeten Arbeitsgruppen besprochen werden sollen. Dabei geht es auch darum, Risiken zu identifizieren und um die Frage der Überwachung der Seekabel, die als globale kritische Infrastruktur gelten. Im Fokus dieses ersten Gipfels stand aber erstmal die Verständigung darauf, die Bedeutung der Telekommunikationskabel erst einmal anzuerkennen. Folglich steht dieser Punkt auch ganz vorn in der Erklärung.