Gegen das 2006-Trauma: Italien-Legende witzelt über „Wahlheimat“: Jetzt holen wir uns unser Stadion zurück!
„Ah, Dortmund“, schwärmt Gianluigi Buffon. Die italienische Torwartlegende schwelgt im Gespräch mit dem „kicker“ in schönste Erinnerungen an die Revierstadt. Dortmund könne „tatsächlich meine Wahlheimat sein“, scherzt er.
Zu seiner Verteidigung muss man sagen: Buffon kennt nur das Westfalenstadion, weniger das „la dolce vita“ in der rauen Stadt vom Pott.
Wenn der fünfmalige Welttorhüter an Dortmund denkt, dann hat er die zwei gehaltenen Elfmeter gegen Stephane Chapuisat und Andy Möller im Kopf. Es war eines seiner ersten Champions-League-Spiele im Spätherbst 1997. Zwar verlor der FC Parma, sein damaliger Verein, trotz seiner Glanztaten 0:2 gegen den BVB, Buffon konnte hier aber schon in jungen Jahren seine großartige Karriere andeuten.
Buffon und seine "Wahlheimat" Dortmund
„Und vergangenes Jahr schlugen wir dort zum EM-Auftakt Albanien. Ja, ich muss gestehen, ich möchte immer in Dortmund spielen und dort leben", setzt Buffon mit einem Schmunzeln hinzu.
Sein wichtiges Spiel – und seinen wichtigsten Sieg – hatte Buffon hier im Sommer 2006. Weltmeisterschaft in Deutschland, Halbfinale. Gegen den Gastgeber.
Die Squadra Azzurra beendete das Sommermärchen ohne Happy End. 2:0 nach Verlängerung, ein Stich ins deutsche Fußball-Herz. Wenige Tage später krönte sich Italien in Berlin zum vierten Mal zum Weltmeister. Der Schmerz wahrt noch heute.
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Das Dortmunder Westfalenstadion ist eine Festung
Dortmund als Wahlheimat Buffons. Die Italiener wollen unser größtes Stadion kapern und für sich beanspruchen.
Dabei ist der Signal Iduna Park, wie er seit geraumer Zeit offiziell genannt wird, seit Jahrzehnten eine Festung der deutschen Nationalmannschaft. 22 DFB-Spiele fanden hier in der Geschichte statt, 18 Siege feierte Deutschland – bei nur einer Niederlage. Nur eine Niederlage... die gegen Italien.
Nun wird es Zeit, den Mythos der Unbesiegbarkeit zurückzuerlangen und Italiens Nimbus als deutschen Angstgegner endgültig zerstören.
Das deutsche San Siro
Seit nunmehr sieben Spielen konnte die Squadra Azzurra nicht mehr gegen die deutsche Mannschaft triumphieren. 2016 gewann Deutschland erstmals ein Turnierspiel gegen den Erzrivalen beim 6:5 nach Elfmeterschießen. 2022 folgte ein 5:2-Kantersieg in der Nations League. Am Donnerstag folgte ein 2:1 im mailändischen San Siro.
Deutschland antwortet nun mit dem Westfalenstadion. Beide sind jeweils die größten Stadien des Landes. Beide sind keine Schönheiten, gelten aber als absolute Kultstätten des Sports. Grauer Klotz mit farbigen Stahlträgern, einmal gelb, einmal rot.
Und das Nationalteam konnte hier zuletzt wieder prägende Siege einfahren. Im September 2023 gegen Frankreich, als zwei Tage zuvor die Ära Hansi Flick abrupt beendet wurde und Rudi Völler einmalig an die Seitenlinie zurückkehrte.
Oder im vergangenen Sommer beim denkwürdigen Donnermärchen-Spiel der Heim-EM. 2:0 gegen Dänemark im Achtelfinale, inklusive Tribünen-Wasserfall und Spielunterbrechung. Auch hier wurde das Team von den elektrisierenden Fans getragen.
Ist der Italien-Fluch gebrochen?
Torhüter Oliver Baumann weiß daher, welche „Wucht“ dieses Stadion entfachen kann. Bundestrainer Julian Nagelsmann freut sich ebenfalls auf die besondere Atmosphäre: „Wir haben viele Fans in Dortmund. Und das Stadion ist auch richtig laut. Wir freuen uns total.“
Zieht der DFB hier in Dortmund, an diesem geschichtsträchtigen und für die Italiener so speziellen Ort tatsächlich ins Final Four der Nations League ein, ist der italienische Fluch endgültig besiegt – und das Stadion gehört wieder den Deutschen. Vielleicht hat Buffon, der heute als italienischer Sportdirektor keinen direkten Einfluss mehr auf das Spiel hat, dann ein wenig Zeit, andere Gegenden Dortmunds kennenzulernen.