Russlands Austricksen der Sanktionen bei Flugzeugteilen nimmt ganz neue Dimensionen an

Ein Einzelhändler aus Delhi hat sich 2023 für einen unerwarteten Wechsel entschieden: Statt Kleidung verkaufte das indische Unternehmen, zunächst unter dem Namen "Allestro E-Service" gegründet und später in "Allestro Aero Solutions" umbenannt, auf einmal Flugzeugteile. 

Wirtschaftlich hat sich der Wechsel in jedem Fall gelohnt. Von einem Umsatz nahe Null im Jahr 2022 erreichte er ein Jahr später 259 Millionen Rupien – umgerechnet etwa 2,8 Millionen Euro.

Lieferung von Flugzeugteilen nach Russland

"Allestro Aero Solutions" ist längst nicht das einzige indische Unternehmen, das sich seit 2022 auf den Handel mit Flugzeugteilen spezialisiert hat. Ein weiteres Beispiel ist "Aerotrust Aviation". 

Das Unternehmen wurde Ende 2021 gegründet und wirbt mit dem Slogan: "We deliver the best". Seit Januar 2023 hat der Händler Flugzeugteile im Wert von sieben Millionen US-Dollar in ein einziges Land geliefert – nach Russland. Knapp 80 Prozent davon aus westlicher Produktion.

Flugzeugteile für mehr als 50 Millionen Dollar nach Russland geliefert

Das sind nur zwei Beispiele, die von "Investigate Europe", einem Team investigativer Journalistinnen und Journalisten, im Rahmen einer europaweiten Recherche herausgearbeitet wurden. 

Laut ihren Recherchen wurden zwischen Januar 2023 und September 2024 Lieferungen mit einem geschätzten Wert von mehr als 50 Millionen Dollar über Indien nach Russland transportiert. Grundlage der Recherche bilden eine Auswertung verschiedener Zolldaten.

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Mehr als 40 Prozent der Teile stammen aus den USA

700 Einzelladungen sollen so nach Russland verschickt worden sein. Dabei handelt es sich um Komponenten wie Generatoren, Sensoren, Propellerblätter und Cockpit-Displays sowie kleinere Teile wie Schrauben, Bolzen, Filter und Batterien. 

Mehr als 40 Prozent der Teile stammen aus den USA, ein weiteres Drittel aus Europa. Neben militärisch verwendbaren Teilen wird der überwiegende Teil für die zivile Luftfahrt genutzt.

Russische Airlines sind Hauptabnehmerinnen

Die Hauptabnehmer der Lieferungen sind laut den Ergebnissen die Airlines der Aeroflot-Gruppe – dazu gehören neben Aeroflot auch Pobeda und Rossiya Airlines. 

Auch die seit Dezember 2024 sanktionierte Utair, die Truppentransporte in die Ukraine und spezielle Ticketverkäufe an militärische Behörden ermöglicht hat, soll eine Vielzahl von Teilen aus Indien bezogen haben.

Mit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 wurde Russland von der westlichen Staatengemeinschaft mit strengen wirtschaftlichen Sanktionen belegt. 

Die EU sowie Großbritannien verbieten den Direktverkauf von Flugzeugteilen an russische Fluggesellschaften und Unternehmen, und auch die US-Behörden schränkten diesen Verkauf stark ein. Dennoch haben die westlichen Länder große Schwierigkeiten, die Vielzahl der Zwischenhändler bei illegalen Weitertransporten zu überwachen.

Anschaulich wird das Problem am in Venedig ansässigen Unternehmen Superjet International. Das Unternehmen wurde als Joint-Venture zwischen dem italienischen Rüstungskonzern Leonardo und Sukhoi – beziehungsweise dem Mutterkonzern der Sukhoi, der United Aircraft Corporation (UAC), der 90 Prozent an Superjet International hält – gegründet.

Im September 2022 übernahm die italienische Regierung vorübergehend die Kontrolle über das Management. Dennoch hat das Unternehmen weiterhin Teile an Allestro Aero Solutions, den einstigen Bekleidungshändler aus Dehli geliefert. Diese wiederum haben die Produkte direkt an Rapart Services in Russland geschickt. Rapart Services ist Teil der United Aircraft Corporation.

Mehr als 100 westliche Händler sollen Flugzeugteile nach Indien exportiert haben

Superjet International soll nach der Konfrontation mit den Ergebnissen von Investigate Europe erklärt haben, die Geschäftsbeziehungen mit seinem Geschäftspartner Allestro Aero Solutions abzubrechen. Auch Superjet International ist nur ein Beispiel. 

Insgesamt sollen laut Zolldaten mehr als 100 westliche Händler Flugzeugteile nach Indien exportiert haben, die von dort aus nach Russland gelangten.

Die Autoren betonen, dass es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass die westlichen Lieferanten illegal handelten oder wussten, dass ihre Produkte letztlich in Russland landen würden. Auch für die größten Akteure der Branche – etwa Airbus und Boeing – ist es schier unmöglich, den Weg jeder Lieferung über den ersten Käufer hinaus nachzuvollziehen. Allein Boeing verschickte seit 2023 mindestens 80 Lieferungen nach Indien, die später ganz oder teilweise nach Russland weiter exportiert wurden.

Das Team von Investigate Europe berichtet, dass bis auf Allestro Aero Solutions kein Unternehmen eine ausführliche Stellungnahme abgegeben hat. Airbus und auch Boeing erklärten, dass sie die Geschäftsbeziehung abgebrochen hätten und im Rahmen der geltenden Gesetze sowie Vorschriften arbeiteten.

Seit 2022 sind in ganz Asien und im Nahen Osten Umschlagzentren entstanden, um Sanktionen zu umgehen, wie es jetzt in Indien passiert. Früher waren es vor allem die Türkei, Kasachstan, Kirgisistan und China.

Das Original zu diesem Beitrag "Über diesen Umschlagspunkt beziehen Aeroflot und Co. Teile von Airbus- und Boeing" stammt von aeroTELEGRAPH.

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