"Raubrittertum" beendet: ProSiebenSat.1 entfernt ARD und ZDF aus Joyn

Die Mediatheken von ARD und ZDF sind nicht mehr bei Joyn abrufbar. Direktlinks zu den Angeboten der öffentlich-rechtlichen Sender beim Streaming-Dienst von ProSiebenSat.1 führen ins Leere. Damit reagiert das Medienunternehmen offenbar auf massive Kritik seitens ARD und ZDF, die mit der Integration ihrer Inhalte in Joyn überhaupt nicht einverstanden waren.

"Joyn und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nehmen konkrete Gespräche über eine zukünftige Zusammenarbeit auf", teilte ProSiebenSat.1 dem Medienmagazin DWDL mit. "Im Zuge dessen schaltet Joyn das vorläufige Beta-Testing auf der Streamingplattform ab. Denn auch wenn wir davon überzeugt sind, die rechtliche Grundlage dafür zu haben – sind wir vielmehr darauf bedacht, den Geist echter Kooperation zu leben und gemeinsam umzusetzen." Zuvor hatte ProSiebenSat.1 argumentiert, Embedding der Mediatheken sei laut Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs rechtlich zulässig.

"Modernes Raubrittertum"

ProSiebenSat.1 hatte im Februar überraschend die kompletten Mediatheken von ARD und ZDF in sein Streaming-Angebot Joyn aufgenommen. Die Inhalte der öffentlich-rechtlichen Sender konnten danach uneingeschränkt bei Joyn aufgerufen werden, ein Abonnement war nicht nötig. ProSiebenSat.1 hatte von einer "Content-Kooperation" in Testphase gesprochen.

Doch mit den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten war dieses Vorgehen so offenbar nicht abgesprochen. Man habe mit ProSiebenSat.1 keine Testphase vereinbart, die das Embedding der Mediatheken vorsehe, teilten ARD und ZDF mit. Das Vorgehen von ProSiebenSat.1 sei "rechtlich unzulässig und nicht im Sinne des öffentlich-rechtlichen Auftrags."

Deutliche Worte fand der ARD-Vorsitzende Florian Hager, der das Vorgehen von ProSiebenSat.1 als "modernes Raubrittertum" bezeichnete. "Das ist eine neue Form von Piraterie, die hätte ich mir nicht vorstellen können“, sagte Hager. Die Mediatheken von ARD und ZDF seien kein Selbstbedienungsladen.

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