Planungen: Thunderbird soll Mail- und Pro-Dienst erhalten
>Mozilla hat hochtrabende Pläne für den Mail-Client Thunderbird. Er soll um einen Mail-Dienst und weitere Pro-Dienste ergänzt werden. Damit will das Projekt Geld verdienen.
Die Pläne sind am Wochenende öffentlich geworden, die der geschäftsführende Direktor Ryan Sipes erörtert hat. "Thunderbird verliert jeden Tag User an reichhaltige Ökosysteme, die zugleich Clients und Dienst sind, wie Gmail und Office365", erörtert Sipes. "Diese Ökosysteme haben eine harte Bindung, durch Interoperabilitätsprobleme mit Drittanbieter-Clients, als auch weiche Kundenbindung durch Bequemlichkeit und Integration zwischen ihren Clients und den Diensten", führt er weiter aus.
Thunderbird-Alternative: Open-Source, Freiheiten respektierend
Der Thunderbird-Manager erklärt zudem: "Es ist unser Ziel, irgendwann ein gleichartiges Angebot zu haben, sodass ein hundertprozentiges Open-Source und freiheitsrespektierendes Alternativ-Okösystem für diejenigen verfügbar ist, die das wollen."
Es sind einige Dienste in Planung. Das Schwergewicht wird sicherlich Thundermail werden. Der E-Mail-Dienst soll denjenigen E-Mail-Konten anbieten, "die Thunderbird lieben", und dabei bessere Dienste liefern als "andere Provider da draußen", die mit "unseren Werten auf einer Linie sind". Die Entwickler experimentieren demnach bereits seit einer Weile damit und setzen auf "Stalwart" als Basis für den Software-Stack. Mit dem Maintainer des Projekts arbeitet das Thunderbird-Team zusammen und hat mit ihm zusammen die Fähigkeiten ausgebaut – insbesondere etwa daran, dass Kalender und Kontakte zu einer Kernkomponente des Software-Stacks werden.
Die Entwicklung soll zusammen mit der Community stattfinden und vollständig Open-Source sein, jedoch anders als die anderen angekündigten Dienste kein eigenständiges Repository erhalten. Als E-Mail-Domain sollen thundermail.com oder tb.pro angeboten werden. Auf thundermail.com können Interessierte sich bereits für einen Beta-Zugang auf einer Warteliste eintragen.
"Thunderbird Appointment" ist ein Termin-Planungswerkzeug. Das erlaubt Nutzerinnen und Nutzern, jemandem einen Link zu schicken, mit dem die Empfänger sich einen Termin aussuchen können. Bestehende Werkzeuge hierfür waren den Entwicklern zu proprietär oder aufgebläht. Hinter "Thunderbird Send" verbirgt sich ein Wiedergänger von "Firefox Send", einem Dienst zum einfachen Versenden großer Dateien. Ohne künstliche Intelligenz wäre eine Produktankündigung heutzutage nicht vollständig, daher soll "Thunderbird Assist" KI-Funktionen erhalten, die von Flower AI stammen. Wenn das lokale System nicht genügend Ressourcen hat, um ein Language Model laufen zu lassen, soll dafür Nvidias Confidential Compute genutzt werden. Es bleibt jedoch unklar, was der Assistent konkret leisten soll – es liefert auf jeden Fall Buzzwords für die Ankündigung.
Geld verdienen
Recht offenherzig geht Sipes damit um, dass das alles doch Geld kostet, um es anzubieten. Anfangs sollen die neuen Funktionen für konsistent an der Community teilnehmende User angeboten werden, dann sogar für lau. Andere Interessenten müssen für den Zugang zahlen. Sobald Thunderbird eine ausreichend starke Nutzerbasis für die neuen Dienste aufweise, sodass diese nachhaltig zu sein scheinen, will das Projekt unterschiedliche kostenlose Angebote anbieten – mit Einschränkungen etwa wie weniger Speicherplatz, abhängig vom Dienst. Wie das von anderen Anbietern bekannt sei, sind einige davon praktisch bedingt, da E-Mail-Adressen und Filesharing anfällig für Missbrauch sind, sofern sie kostenlos angeboten werden.
Die ersten Repositories sind jetzt bereits öffentlich zugreifbar, etwa für Thunderbird Appointment oder für Thunderbird Send. Einen genaueren Zeitplan nennt Sipes jedoch nicht.