Zoll setzt Tanker "Eventin" vor Rügen fest – Schiff zählt zu Schattenflotte
Gegen den im Januar in der Ostsee vor Rügen havarierten Öltanker "Eventin" laufen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nun "zollrechtliche Maßnahmen". Diese seien aber noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher in Berlin.
Einen "Spiegel"-Bericht, wonach das Schiff inklusive der Ladung beschlagnahmt worden sei, bestätigte der Sprecher auf Nachfrage nicht. Er sagte, "auch bei der gegebenen sicherheitspolitischen Lage können wir uns zu dem Sachverhalt nicht sehr weitgehend äußern".
Die EU-Staaten hatten die "Eventin" bereits auf die Liste der Sanktionen gegen Russland gesetzt. Der Tanker ist damit eines von mehr als 150 Schiffen der sogenannten Schattenflotte, gegen die Sanktionen gelten. Es handelt sich dabei um häufig schlecht gewartete, unter nicht-russischer Flagge fahrende Schiffe, welche russisches Öl transportieren und dabei helfen sollen, die Sanktionen gegen das Land zu umgehen. Ihr schlechter Zustand und verdächtige Aktivitäten machen die Flotte aus EU-Sicht zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko. Auch die "Eventin" war laut dem Spiegel zuletzt manövrierunfähig vor Rügen getrieben.
Behörden prüfen aktuell das weitere Vorgehen
Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte: "Eine Weiterfahrt ist derzeit untersagt und aktuell wird das weitere Vorgehen im Hinblick auf das Schiff und die Ladung von den zuständigen Behörden geprüft."
Er verwies darauf, dass der Zoll grundsätzlich nach dem Zollkodex der Europäischen Union ("Artikel 198") Gegenstände unter Voraussetzungen einziehen und verwerten könne.
Tanker soll offenbar abgepumpt werden
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde bereits geprüft, wo das Schiff abgepumpt werden könnte. Dabei wird auch überlegt, ob beim Durchfahren internationaler Gewässer – aus der Ostsee in die Nordsee – Sicherheitsprobleme bestehen und ein militärischer Geleitschutz erforderlich werden könnte.
Laut Spiegel-Informationen war die "Eventin" vom russischen Hafen Ust-Luga durch die Ostsee Richtung Ägypten unterwegs, eine typische Route der Schattenflotte. In europäischen Regierungskreisen vermutet man zweitere als Verursacher einer Reihe von Zwischenfällen und Problemen in der Ostsee. Die Schiffe stehen unter Verdacht, im vorigen Jahr mehrere Datenkabel in der Ostsee beschädigt zu haben. Polnische Forscher fanden zudem heraus, dass die Schiffe auch für Störungen von Systemen für die Satellitennavigation in der Danziger Bucht mitverantwortlich sind. Die Bundeswehr spricht ebenfalls von verdächtiger Kommunikationstechnik an Bord der Schiffe, wie zusätzlichen Antennen und Funkmasten. Sie verdächtigt die Flotte der Sabotage und Spionage, beispielsweise indem Funksignale abgefangen werden.