KI-Update kompakt: Perplexity & TikTok, DeepSeek, Deepfakes, Wettervorhersage

!-- RSPEAK_STOP -->
Inhaltsverzeichnis

Perplexity zeigt Interesse an TikTok

Perplexity hat erneut sein Interesse bekundet, TikTok zu kaufen. In den USA droht der Video-Plattform das Aus, da US-Präsident Donald Trump besorgt ist, der chinesische Social-Media-Dienst könnte die nationale Sicherheit gefährden. Die Bedenken betreffen vor allem die Algorithmen und die damit verbundene potenzielle Beeinflussung von US-Bürgern sowie das Sammeln ihrer Interessensdaten.

Nachdem Perplexity sich bereits vor einigen Wochen als möglicher Käufer ins Gespräch gebracht hatte, folgt nun ein Blogbeitrag mit konkreten Plänen. Interessanterweise strebt Perplexity gar nicht den Zugriff auf TikToks Algorithmus an – genau den Teil, den ByteDance, TikToks Mutterkonzern, ohnehin nicht verkaufen möchte. Der Algorithmus ist jedoch der Kern von TikToks Erfolg, da er außergewöhnlich schnell und präzise die Interessen der Nutzer erkennt.

Perplexity scheint es vielmehr um die Nutzerbasis und das bestehende Netzwerk zu gehen, das sie ausbauen möchten. Sie planen sogar, den Algorithmus des For-You-Feeds als Open-Source-Projekt zu veröffentlichen und garantieren, dass alle Daten ausschließlich auf US-amerikanischen Servern verarbeitet werden würden.

Welchen Vorteil sieht Perplexity, ein Anbieter einer selbsternannten "KI-Antwortmaschine", in dieser Übernahme? Sie streben offenbar eine Synergie zwischen beiden Welten an: Suchmaschinen und Social-Media-Plattformen haben beide erheblichen Einfluss darauf, was wir sehen, lesen und worüber wir nachdenken. Perplexity möchte seine KI-Funktionen in TikTok integrieren und einen KI-Chatbot anbieten, sodass Nutzer die Plattform für Informationssuchen nicht mehr verlassen müssen. Dies könnte besonders relevant sein, da sich viele junge Menschen bereits stark über soziale Netzwerke informieren – was nicht unbedingt zu qualitativ hochwertiger Bildung beiträgt. Umgekehrt könnte Perplexity TikTok-Inhalte in seine Suchergebnisse integrieren und möglicherweise für das Training seiner KI-Modelle nutzen.

An TikTok sind auch andere, finanzkräftigere Unternehmen wie Oracle interessiert. Wie Perplexity den Kaufpreis stemmen könnte, bleibt unklar. Das Unternehmen hofft offenbar auf die Unterstützung des Präsidenten, staatliche Hilfe oder weitere Investoren. In ihrem Blogbeitrag warnt Perplexity, dass andere potenzielle Käufer ein Monopol errichten könnten und präsentiert ihre Vision einer neu konzipierten TikTok-Version als "beste Plattform für Kreativität und Wissen" – was allerdings auch zu einer potenziell fragwürdigen Marktdominanz führen könnte.

KI-Labyrinth soll unerwünschte Bots abwehren

Mit einem KI-erzeugten Labyrinth will der Dienstleister Cloudflare KI-Crawler und andere Bots entlarven und davon abhalten, unerlaubt Inhalte abzurufen. Das "AI Labyrinth" soll unerwünschte Crawler, die sich über "No-Crawl"-Direktiven hinwegsetzen, verlangsamen, verwirren und ihre Rechenzeit verschwenden. Etwas Ähnliches hatte ein Entwickler bereits im Januar als Tool namens Nepenthes vorgestellt. Laut Cloudflare machen KI-Crawler mittlerweile mehr als 50 Milliarden Anfragen täglich auf dem Cloudflare-Netzwerk aus – knapp ein Prozent aller Web-Anfragen.

Diese Bots einzeln zu identifizieren und zu sperren, habe zu einer Art Wettrüsten geführt, das Zeit und Geld koste, aber nicht wirklich etwas an dem Problem ändere, heißt es in einem Blogpost. Das AI-Labyrinth soll hingegen wie eine Art Honeypot funktionieren. Wenn ein unbefugter Crawler erkannt wird, leitet das System ihn nicht ab, sondern verknüpft die angefragte Seite mit einer Reihe von KI-generierten Seiten. Diese sehen laut Cloudflare überzeugend genug aus, um den Crawler zum Durchlaufen zu verleiten. Die Logik der Cloudflare-Entwickler ist, dass sich ein echter Mensch nicht über vier Links in ein Labyrinth KI-generierter Inhalte bewegen würden. Daraus lasse sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Bot schließen, dessen weitere Angaben dann zur besseren Bot-Erkennung verwendet werden sollen.

EU-Arzneimittelagentur bewertet KI-Diagnose als valide

Die Europäische Arzneimittelagentur koordiniert alle ihre KI-Aktivitäten nach einem mehrjährigen KI-Arbeitsplan, um sicherzustellen, dass KI sicher und verantwortungsvoll im europäischen Arzneimittelnetzwerk eingesetzt wird. Jetzt hat der Ausschuss für Humanarzneimittel EMA erstmals eine Qualifizierungsbewertung zu einem KI-basierten Tool abgegeben.

Das Tool namens AIM-NASH (Artificial Intelligence-Based Measurement of Non-alcoholic Steatohepatitis Histology) von Path AI aus Boston unterstützt Pathologen bei der Analyse von Leberbiopsie-Scans. Es soll dazu beitragen, den Schweregrad der Metabolischen Dysfunktion-assoziierten Steatohepatitis (kurz MASH) zu bestimmen. Bei dieser Krankheit sammelt sich Fett in der Leber an und kann im Laufe der Zeit Entzündungen, Irritationen und Vernarbungen verursachen. Erkenntnisse, die in klinischen Studien mit dem KI-Tool gewonnen werden, sollen in zukünftigen Anträgen als wissenschaftlich gültig anerkannt werden.

KI-Veteran sieht Deepseek als Bedrohung für OpenAI

Der ehemalige Google-China-Chef Kai-Fu Lee sieht in den kostenlosen Open-Source-Modellen des chinesischen KI-Startups Deepseek eine existenzielle Gefahr für OpenAI. Sein eigenes Unternehmen 01.AI setzt nun vollständig auf Deepseek-Modelle, nachdem diese in China laut Lee einen regelrechten "ChatGPT-Moment" ausgelöst hätten.

Lee erzählt einem Interview, er habe bereits viele Menschen getroffen, die ihre kostenpflichtigen ChatGPT-Abonnements gekündigt hätten, weil Deepseek kostenlos verfügbar sei. Sein Unternehmen 01.AI will sich künftig darauf konzentrieren, Deepseek-Modelle für Unternehmenskunden aus den Bereichen Finanzen, Gaming und Recht anzupassen, statt eigene Modelle zu entwickeln. Ein entscheidender Faktor ist die Kostenstruktur: Während OpenAI 2024 laut Lee Betriebskosten von 7 Milliarden US-Dollar hatte, kommt Deepseek nach seiner Einschätzung mit nur zwei Prozent dieser Summe aus. Dies stelle die Nachhaltigkeit von OpenAIs deutlich teurerem Ansatz grundsätzlich infrage. Lee betont, dass sich das Pre-Training großer Sprachmodelle künftig auf wenige Unternehmen konzentrieren werde."Ein vortrainiertes Modell lässt sich nur rechtfertigen, wenn man Hunderte Millionen Nutzer hat", erklärt er. Nur Tech-Giganten könnten sich diesen Aufwand noch leisten.

OpenAI hatte kürzlich die US-Regierung aufgefordert, Modelle von Deepseek zu verbieten und bezeichnet das chinesische Start-up als "staatlich kontrolliert". Lee interpretiert dies als Zeichen von Paranoia: "Sie sehen, wie ihr Kartenhaus zusammenzubrechen beginnt, weil jemand ein gleich gutes Haus kostenlos gebaut hat." Lee prognostiziert für sein Unternehmen 01.AI im ersten Quartal 2025 einen Umsatz von 100 Millionen Yuan (13 Millionen US-Dollar) - so viel wie im gesamten Jahr 2024. Trotz dieses Wachstums ist das 200 Mitarbeiter starke Start-up derzeit nicht profitabel.

Meta muss deutlich stärker gegen Deepfakes vorgehen

Menschen wie der Mediziner und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen sehen ihr eigenes Gesicht immer wieder in Videos, an denen sie selbst nie mitgewirkt haben. Solche Clips werden auch Deepfakes genannt, sie wurden mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt. Am Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt konnte von Hirschhausen jetzt einen großen Erfolg erzielen: Das Gericht verpflichtete Meta, nicht nur einzelne Postings solcher Videos zu entfernen, sondern auch unaufgefordert alle weiteren Postings, die dasselbe oder ähnliche Videos enthalten.

Für die sozialen Plattformen und andere Opfer von Deepfakes könnte das Urteil Signalwirkung haben: "Denn es bieten sich deutlich mehr Chancen, Serviceprovider für Rechteverletzungen konkreter als bisher in Anspruch zu nehmen", sagt von Hirschhausens Anwalt Götz Schneider-Rothhaar. Das Urteil kann Meta nicht mehr anfechten.

Podcast: KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im "KI-Update" von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

  • Apple Podcasts
  • Google Podcasts
  • RSS-Feed
  • Spotify
  • KI-Update als Newsletter abonnieren
  • Zu unserem Partner: The Decoder

KI macht Einzelpersonen in Studie so effizient wie Teams

Eine umfangreiche Studie bei Procter & Gamble mit 776 Fachleuten zeigt interessante Ergebnisse zum KI-Einsatz in Unternehmen. Einzelpersonen mit KI-Unterstützung können demnach bei der Entwicklung von Produktideen genauso gute Ergebnisse erzielen wie klassische Zweierteams ohne KI-Zugang. Die höchste Gesamtleistung erzielten allerdings Teams mit KI-Unterstützung, wobei diese auch deutlich häufiger Spitzenlösungen produzierten. Zudem arbeiteten die KI-unterstützten Gruppen 12 bis 16 Prozent schneller und lieferten gleichzeitig längere und detailliertere Lösungen als Gruppen ohne KI.

Mit KI-Unterstützung verschwanden in den Experimenten aber auch die typischen Unterschiede zwischen technischen und kaufmännischen Expertinnen und Experten fast vollständig. Beide Gruppen entwickelten plötzlich ausgewogenere Vorschläge, was besonders Mitarbeitenden mit weniger Erfahrung zugutekam. Die Studie hat allerdings nur begrenzte Aussagekraft für die tatsächliche Implementierung von KI in Unternehmen, da sie auf eintägigen Workshops basiert und nicht ohne weiteres auf komplexe, langfristige Arbeitsprozesse übertragbar ist.

Komplette Wettervorhersage auf einem PC

Bei Wettervorhersagen kann KI-Technik zunehmend mehr Aufgaben übernehmen. Eine britische Forschungsgruppe hat ein System entwickelt, das vollständige Prognosen auf einem herkömmlichen PC erstellen kann.

Die Forschung zum Einsatz von KI in der Wettervorhersage läuft bereits seit längerer Zeit. Das Potenzial ist enorm, da bisher leistungsstarke Supercomputer eingesetzt werden müssen, um die gesammelten Daten auszuwerten und Prognosen zu erstellen. Es gab bereits mehrere Durchbrüche, die zeigen, dass KI diesen Prozess deutlich ressourcensparender und schneller gestalten kann.

Die britischen Forscher haben jetzt verkündet, dass ihr KI-Modell den gesamten Prognoseprozess auf Hardware bewältigen kann, die einem Desktop-Computer entspricht. Mit vergleichsweise wenigen Daten, die das Modell selbstständig aus Satellitenmessungen und Messstationen sammelt, können globale oder regionale Wetterprognosen erstellt werden, die mit der in den USA eingesetzten Vorhersagetechnik konkurrieren können.

Das große Potenzial dieser Entwicklung liegt vor allem darin, dass auch Regionen mit geringeren finanziellen Mitteln, insbesondere im globalen Süden, nun konkurrenzfähige Wettervorhersagen erstellen können. Die Forscher sprechen von einer "Demokratisierung der Wettervorhersage", da dieser Prozess bisher so ressourcenintensiv war, dass nicht alle Staaten sich diese Technologie in gleichem Maße leisten konnten.

Ungarn will Gesichtserkennung gegen Pride-Events einsetzen

Die EU-Kommission übt deutliche Kritik an einem neuen ungarischen Gesetz. Es untersagt Pride-Veranstaltungen und erlaubt der Polizei zur Durchsetzung des Verbots den Einsatz von Systemen zur biometrischen Gesichtserkennung. Damit sollen Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Umzüge der LGBTIQ-Community identifiziert werden. Die heftig umstrittenen Änderungen beschloss das ungarische Parlament als Teil eines Kinderschutzgesetzes. Gegner sehen darin einen klaren Verstoß gegen das Grundrecht auf friedliche Versammlung, die KI-Verordnung der EU sowie geltende Datenschutzvorschriften. Kritik kommt unter anderem von Laura Caroli. Sie hat den AI Act für das EU-Parlament mit ausgehandelt und sagte Euractiv, dass der Einsatz automatisierter Gesichtserkennung für solche Operationen von Strafverfolgern nicht mehr zulässig sei.

Artikel 5 der KI-Verordnung verbiete den Mitgliedstaaten den Missbrauch von Gesichtserkennung in Echtzeit. Selbst wenn Ungarn sich auf Gründe der nationalen Sicherheit berufen oder eine Pride-Parade als terroristische Bedrohung darstellen wollte, würde der Ansatz immer noch gegen den AI Act verstoßen, argumentiert Caroli. Ob das neue Gesetz tatsächlich gegen den AI Act verstößt, hängt laut Kommissionssprecher Thomas Regnier davon ab, ob Verfahren zur automatisierten Gesichtserkennung in Echtzeit oder erst nachträglich zum Einsatz kommen. Wenn die Überwachung live erfolge, sei von einer Rechtsverletzung auszugehen.

KI-Inhalte müssen in China ab September gekennzeichnet werden

Angesichts der technischen Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz führt China zum 1. September 2025 eine weitreichende Pflicht zur Kennzeichnung von KI-Inhalten ein. Diese nimmt auch App-Store-Betreiber wie Apple und Google in die Pflicht. Die Zensurbehörde der Kommunistischen Partei will damit dem Missbrauch von KI und der Verbreitung von Falschinformationen Einhalt gebieten.

Die neue Kennzeichnungspflicht gilt für alle Medienarten wie Text, Audio, Bild und Video. KI-Erzeugnisse müssen laut einer FAQ der zuständigen Ministerien sowohl explizit als auch implizit als solche gekennzeichnet werden. Dies bedeutet, dass etwa bei einem Bild ein optischer Hinweis eingebaut werden muss, der dieses als KI-generiert ausweist. Gleichzeitig muss aber auch in den Metadaten eine entsprechende Markierung hinterlegt sein. Die Methoden müssen über die Nutzungsvereinbarungen der jeweiligen Dienste offengelegt werden.

Das könnte Ihnen auch gefallen