Fujis neue Kategorie, Canons Teaser und ein Lüfter – Fotonews der Woche 12/2025
Da bemüht man sich um eine Kolumne, welche die Fotobranche auch ein bisschen abseits der Technik beleuchtet, und dann kommt Kollege Peter Nonhoff-Arps daher und nimmt einem einfach die Arbeit weg. Denn der hat, und das auch noch sehr gut, die GFX100RF von Fujifilm schon bei ihrer Vorstellung so eingeordnet, wie die das verdient hat. Nämlich als Vertreterin der Kategorie "edle Kompaktkamera", nur eben mit Mittelformatsensor. Und auch mit Blick auf die Serie X100, die Fuji seit Jahren so knapp hält, dass der Hype nicht abreißt. Er hat sie im Übrigen auch schon in der Hand gehalten und ein bisschen Luft damit geschnuppert. Seine erste Bewertung: leichter und kompakter als erwartet, gut zu bedienen, einige witzige, nicht unbedingt nötige Features und durchaus eine Konkurrenz zu Leica. Also keine Vergrätzung hier, eher: Chapeau, Peter!
Das Immer-dabei-Mittelformat
Dann überlegen wir also lieber mal, was sich damit anstellen lässt. So richtig dezent ist die Fuji nämlich nicht, ein unauffälliges Street-Foto braucht mindestens etwas Übung. Da sie in eine große Jacke – jetzt im Frühling eher blöd – oder kleine Tasche passt, könnte die GFX100RF wohl eher neue Felder als Immer-Dabei-Kamera erschließen. Etwa Landschafts- oder Makrofotografie, wo man die große Auflösung von 100 Megapixeln mit Crops nutzen kann. Ein Panorama als Single-Shot? Warum nicht.
Markttechnisch gesehen zeigt Fujifilm mit dieser Kamera auch, wo hinter den Schwergewichten Canon, Nikon und Sony die kleineren Hersteller Akzente setzen können. Wer nicht in schöner Regelmäßigkeit die teuren Flaggschiffe entwickeln und alle Preispunkte besetzen muss, kann es sich in Nischen bequem machen. Es dürfte sicher sein, dass es ohne den Erfolg der X100 keine GFX100RF gegeben hätte.
Canons Doppel-V ab nächster Woche
Aber auch die ganz großen Firmen müssen immer schneller auf Trends reagieren und das, was die Konkurrenz gut macht, nach Möglichkeit noch besser machen. Sony hatte hier vor Jahren mit kompakten Kameras für Webvideo überrascht, das längst mehr als "Vlogging" ist. Alle zogen nach, und nun plant Canon offenbar den großen Aufschlag. Über Social Media wie X hat das Unternehmen die Vorstellung von zwei Kameras am 26. März 2025 angekündigt. Die Grafik dafür enthält ein großes "V", was ganz offensichtlich für "Video" steht.
Solche Teaser sind bewusst so gestaltet, dass man fröhlich rätselraten kann, folglich ist die links im Bild befindliche Kamera recht klar als die vor einigen Wochen auf der Messe CP+ angekündigte Powershot V1 erkennbar. Das Gerät in der rechten Bildhälfte ist stärker abgedunkelt, damit man es bloß schwer hat. Sieht halt aus wie eine sucherlose Kompaktkamera mit vergleichsweise größerem Objektiv. Oder wenn man den Gerüchteküchen glauben will: Wie die Canon EOS R50 V, ein Update des bekannten APS-C-Modells, nur eben mit Schwerpunkt auf Video. An dieser Stelle lohnt sich noch mehr Spekulation nicht, denn in der nächsten Woche sind wir schon schlauer.
Kamerakühler mit Peltier-Element
Warum darf ein kleiner Lüfter für Systemkameras knapp 70 Euro kosten? Weil es eben nicht nur ein Lüfter ist, sondern ein thermoelektrisches Kühlsystem. Ja, wir mussten beim neuen Produkt von Smallrig zweimal hinsehen, laut den Herstellerangaben steckt darin wirklich ein Peltier-Element. Wer die Physik dahinter verstehen will, kann dem vorigen Link folgen, für alle anderen grob vereinfacht: Ein Peltier wird mittels Strom auf der einen Seite warm, auf der anderen kalt. Der Lüfter kühlt also in diesem Fall den Kühlkörper, und der wiederum das Peltier, nicht die Kamera direkt.
Von der Kamera wird die Wärme an der Rückseite unter dem aufgeklappten Display abgeführt, für Kontakt sorgt ein Wärmeleitpad aus Silikon. Liest sich alles wie eine wilde Konstruktion, ist aber im PC-Bereich durchaus üblich – bis auf das Peltier. Wärmeleitpads kommen beispielsweise bei Grafikkarten für Spannungsregler und Speicherchips ständig zum Einsatz. Peltiers allerdings nicht, bei PCs wurde das immer wieder versucht, konnte sich aber nicht durchsetzen. Vor allem durch die geringe Energieeffizienz sind die auch "thermoelectric cooler" (TEC) genannten Konzepte eher fraglich, oft muss man mehr Energie in die Kühlung des Peltiers stecken, als etwa ein Prozessor selbst aufnimmt. Da gibt es deutlich effizientere Möglichkeiten.
Länger filmen mit Kühlung
Nach diesem Ausflug in die Kühltechnik zurück zu Kameras: Smallrigs Kühler ist passgenau für Canons R5 II und R5 vorgesehen, also zwei der beliebtesten Oberklasse-Kameras. Ohne einrastenden Adapter, also nur geklemmt, soll sich das Gerät auch für einige Sonys wie die A7CR und die ZV-Serie eignen. Da soll es für längeres Filmen ohne Abschaltung durch Überhitzung sorgen. Und auch die Akkulaufzeiten verlängern, was – kurz zurück zur PC-Technik – durchaus Sinn ergibt: Kühlere Halbleiter, hier der Sensor, benötigen weniger Strom um zu funktionieren. Allein, wie lange das gutgeht, ist fraglich: Smallrig gibt, je nach Videoformat, bis zur doppelten Laufzeit an.
Das müsste man mal gründlich testen, denn in den technischen Daten findet sich die Angabe, dass das per USB-C versorgte Peltier-Element nur 12 Watt Leistung aufnehmen und rein rechnerisch dann weniger Wärmeleistung abführen kann. Zu prüfen wäre, wie kühl das am Kameragehäuse wirklich wird. Immerhin ist das sonst bei Peltiers gefürchtete Kondenswasser bei diesen Werten wohl ausgeschlossen. Einen dicken Akku sollte man für stundenlanges Filmen dennoch wohl einplanen, und das nur für den Kühler. Und wie sich das Rauschen des Sensors verändert, was ja von vielen Faktoren abhängt, will Smallrig gar nicht erst verraten. Ebenso die Lautstärke, die sich bei umschaltbaren 4500 oder 7000 U/Min entwickelt.
Warum wir das hier breit erklären? Weil es, nun sogar noch ein Kalauer, ein erfrischendes Konzept ist, das vielleicht ganz gut funktionieren könnte. Und Canons Originalzubehör, das ohne Peltier nur frische Luft in die Kamera bläst, ganze 570 Euro kostet. Dabei handelt es sich um den "Lüftergriff CF-R20EP". Weil die Kamerahersteller solche Fantasiepreise aufrufen, kommen immer wieder Anbieter wie Smallrig mit technisch aufwendigeren Designs zum kleineren Preis um die Ecke.
Sigmas charismatischer CEO
Ein solcher Dritthersteller, der sich in den letzten gut zehn Jahren ziemlich neu positioniert hat, ist Sigma. In unserer Empfehlung als Long Read zum Wochenende widmet sich Petapixel dessen CEO Kazuto Yamaki, der erst 2012 die Führung des japanischen Unternehmens übernahm. Mit einem strikt am Markt orientierten Produktangebot rund um die Serien Art, Contemporary und Sport, hat sich Sigma neu erfunden, und das liegt auch an einem neuen Stil. Von einem westlichen CEO ist eher selten zu hören, dass er, wie Yamaki sagt, auch dafür sorgen will, "dass jeder in der Firma glücklich ist."