"Atomfall" angespielt: Postapokalypse mal anders
Postapokalyptische Survival-Rollenspiele sind seit dem riesigen Erfolg von "Fallout" "in". Looten, Leveln, craften, gemixt mit einer ordentlichen Prise Action-Geballer. "Atomfall" wirkt auf den ersten Blick wie ein typischer Genre-Vertreter, macht aber vieles anders. Statt linearer Quests und Brachial-Action erwartet die Fans ein Open-World-Abenteuer mit zahlreichen Lösungswegen und vielen Mysterien.
In "Atomfall" erwacht ein namenloser Held in einer Art Bunker und trifft auf eine Welt schräger Typen und voller Gefahren. Es gibt maskierte "Druiden", die wie im Film "Wicker Man" hinter ihm her sind, oder ein paar verirrte Soldaten, die ein Militärregime errichten. Es ist mächtig viel los in diesem abgesperrten Gebiet irgendwo in einem alternativen Großbritannien der Swinging Sixties. Es dauert ein wenig, bis sich unser Held alles zusammengereimt hat. Eine Atomkatastrophe, eine rätselhafte Krankheit und ein Meteorit aus dem All – ideale Voraussetzungen für blankes Chaos und Anarchie.
Bild 1 von 5"Atomfall" angespielt (5 Bilder)

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)Rebellion hat ihrem Abenteuer keine konventionelle Story verpasst. Unser Held muss fliehen, das ist alles. Wie er es schafft und mit wem er zusammenarbeitet, ist ihm überlassen. Er erkundet die Gegend und trifft Auftraggeber. Eine elitäre Dame zwingt ihn zum Diebstahl eines geheimnisvollen Buches, ein Wissenschaftler will von ihm eine geheime Laborprobe. Oft hängt das alles miteinander zusammen und oft gibt es verschiedene Lösungswege – und das ist nur der Anfang. Ein Open-World-Spiel ohne riesige Spielwelt, aber mit vielen Wegen zum Ziel.
Gelungenes Durcheinander
In den teilweise langen Quests mixt Rebellion herkömmliche Survival-Elemente wie das ständige Suchen nach Rohstoffen mit Horror-Elementen. Die Erkundung eines unterirdischen Bunkers wird zum schweißtreibenden Abenteuer, weil plötzlich gruselige "Wilde" aus dem Hinterhalt angreifen oder ehemalige Wissenschaftler die Spieler wie seelenlose Marionetten angreifen. Munition ist knapp, Medikamente helfen vor Gift und Strahlung, aber manchmal muss man einfach die Beine in die Hand nehmen und verschwinden.
Am Anfang fühlten wir uns bei den Anspielstunden etwas orientierungslos, denn das Spiel verzichtet auf klare Richtungshinweise. Oft erwartet die Spieler Detektivarbeit. Jeder Hinweis in einer Notiz sollte genau gelesen werden. Manchmal müssen in der richtigen Reihenfolge ein paar Ventile gedreht werden, manchmal geben Koordinaten den genauen Ort eines Bunkers an. "Atomfall" ist ein Spiel der Details.
Unspektakuläre Action
Wer großes Spektakel erwartet, ist aber fehl am Platz. Kämpfe fühlen sich eher mühsam an. Eine verrostete Shotgun macht nicht so viel Schaden wie bei der Konkurrenz und Nachladen funktioniert nur im Stehen. Jeder Schlag mit einem Beil erfolgt verzögert – man spürt das Luftholen vor jedem Schlag. Wer sich stattdessen lieber im Gras verstecken will, muss aufpassen. Meist reicht schon eine kleine Bewegung, bis die Gegner aufmerksam werden. Spielfluss kommt da selten auf. Action ist bei "Atomfall" ein hartes Stück Arbeit.
Ein paar besondere Fertigkeiten darf unser Held auch lernen. Hier ein bisschen Widerstandskraft, da ein wenig Verhandlungsgeschick bei den Händlern. Ein Superheld wird er dadurch nicht. "Atomfalls" Fertigkeitenbaum ist übersichtlich, aber der Weg durch ihn ist weit. Die sogenannten Trainingsbücher und Entwicklungspunkte sind spärlich verteilt. Umso mehr freut es die Spieler, wenn sie tief versteckt in einem Bunker ein Upgrade finden.
Passt zum Minimalismus des Spielprinzips auch die einfache technische und visuelle Umsetzung? Das schräge Alternativuniversum, in dem Roboter gegen verrostete Gewehre antreten, bietet einen britisch-schwarzhumorigen Charme. Deshalb ist es nicht schlimm, wenn die Landschaft nur in der Breite toll aussieht, aber aus der Nähe detailarm bleibt. Sparsam auch die Vertonung: Wer alles mitbekommen will, sollte über gute Englischkenntnisse verfügen oder die deutschen Untertitel einschalten. Ein Spielverderber ist das bei diesem unterhaltsamen, aber eigenwilligen postapokalyptischen Abenteuer aber nicht.
Zwischenfazit
Endlich mal ein Survival-Abenteuer mit Charme. Statt die üblichen Spielmechaniken abzuhaken, setzt Rebellion mit "Atomfall" auf eine eigenwillige Missionsstruktur mit vielen Lösungswegen, die dem Prädikat "Open-World" gerecht werden. Dazu bietet das Spiel ein originelles Hintergrundszenario und viele Geheimnisse zum Erkunden.
Die langen Wege und die manchmal mühsame Detektivarbeit wird Actionfans abschrecken. "Atomfall" erfordert Zeit und Geduld, aber keine gut trainierten Daumen. Ein Survival-Abenteuer abseits des Mainstreams für motivierte Entdecker.
"Atomfall" erscheint am 27. März für Windows, PS5 und Xbox Series. USK ab 18. Es kostet ca. 50 – 60 €. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden die Windows-Version gespielt.